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Viermal Deutscher Meister aus Langendreer!

Zu Gast bei Gerhard Gebhardt

Man könnte ihn auch als "Promi" bezeichnen, denn welcher Langendreerer war schon im Fernsehen zu sehen, im Radio zu hören und ist Mitglied in einem Orchester, das bereits viermal den 1. Preis beim "Deutschen Orchesterwettbewerb" gewann und gar die vom Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker gestiftete "Pro Musica-Plakette" für herausragende kulturelle Verdienste erhielt? Die Rede ist von Gerhard Gebhardt von der Unterstraße, der so gar nicht promihaft auftritt, sondern in seiner ruhigen, zurückhaltenden und freundlich-humorvollen Art nichts von seinen außerordentlichen Fähigkeiten und Kenntnissen verrät - es sei denn, man fragt danach. Und das taten wir von der DOPO, nachdem wir Gerhard Gebhardt erstmals beim 3.Weihnachtsmarkt im Dorf 2007 an seinem Instrument in der Christuskirche erleben durften - an der Zither! Es spricht sicher nicht für unsere kulturelle und musikalische Kompetenz, dass wir bis dato so wenig von Gerhard Gebhardt und dem "Bochumer Zitherorchester" wussten, das sich am 7.April 1894 in der damaligen Gaswirtschaft Kneist an der Hauptstraße als "Zither-Club Alpenrose zu Langendreer" gründete, später das "Hotel zum Prinzen Heinrich von Preußen" - die heutige Gastwirtschaft "Landau"(!) - als Vereinslokal wählte und seit 1962 im Haus Dreyer am Rehwinkel seine wöchentlichen Proben als "Bochumer Zitherorchester" durchführt. Aber lassen wir Gerhard Gebhardt selbst erzählen - eine Lebens- und Vereinsgeschichte der besonderen Art aus Langendreer-Werne:
gebhardt11946 wurde ich in Langendreer geboren. Meine Eltern fanden kurz nach dem Krieg eine Wohnung in Werne. Hier verbrachte ich die ersten 30 Lebensjahre. Diese Zeit war geprägt durch Musik und den Bau von Musikinstrumenten. Mein Vater arbeitete als Schreiner, hatte aber von seinem Vater und Großvater das Hobby des Instrumentenbaus und des Zitherspielens übernommen. Soweit ich mich zurück erinnern kann, fanden in unserer Wohnung mehrfach in der Woche irgendwelche Musikproben statt, bei denen mein Vater meist Gitarre spielte zusammen mit einem Zitherspieler na mens Helmuth Hölz, der in Langendreer wohnte und dort aktives Mitglied im "Zithermusikverein Bochum-Langendreer" war, wie der ehemalige "Zither-Club Alpenrose" mittlerweile hieß. Dazu kam, dass in regelmäßigen Abständen Musikschüler zu uns kamen, um Unterricht im Gitarre- und Mandolinenspiel zu bekommen. Hierzu passte auch der nicht sehr angenehme Geruch von Knochenleim, welcher auf dem Herd immer heiß gehalten wurde und abends beim Bau von Gitarren oder bei Instrumentenreparaturen Verwendung fand. Das alles lief in einer kleinen Mietwohnung ab. 

Am meisten faszinierte mich das Zitherspiel von Helmuth Hölz, so dass sich der Wunsch entwickelte, es bei ihm zu erlernen. Dieser Wunsch wurde mir erfüllt und ich bekam im Alter von 9 Jahren meinen ersten Zitherunterricht. Ein Instrument war schnell herbei geschafft, und so begann ein langer Weg mit viel Fleiß, Arbeit, Mühsal, aber auch Freude, dem Ziel, ein Zitherspieler zu werden, immer näher zu kommen.   Nach drei Jahren Unterricht meinte mein Lehrer Helmuth Hölz, dass der Zeitpunkt gekommen sei, mein Zitherspiel bei einem der anerkanntesten Solisten jener Zeit - und auch noch der heutigen Zeit - zu vervollkommnen. Das war nur möglich, weil dieser Zitherspieler mit Namen Hans Krasser durch die Heirat mit einer Gitarristin des damaligen Zithermusikvereins Bochum-Langendreer hier ansässig geworden war. Es war natürlich ein Glücksfall für mich, von so einem Künstler unterrichtet werden zu können. Aber ohne zu üben ging auch hier nichts von selbst. Nur tägliches Proben führte dazu, Mitglied des Zithermusikvereins zu werden und als Nachwuchssolist große Aufmerksamkeit zu erlangen. Nun begann aber auch zeitgleich meine Berufsausbildung zum Feinmechaniker und ich hatte plötzlich drei Aufgaben zu erfüllen: Berufsausbildung, Zitherunterricht und Orchesterproben.
Dazu muss ich sagen, dass ich nicht versäumte, auch an den anderen Freuden des Lebens teilzunehmen mit meinen gleichaltrigen Kumpels. Dazu gehörten Fußballspielen, in Kneipen gehen, Tanzschule besuchen und Ähnliches. Ich heiratete schließlich 1967, machte 1971 meine Meisterprüfung und als Hans Krasser 1977 die Idee hatte, ein neues Zitherquartett zu gründen, war mein Sohn Dirk bereits 9 Jahre alt. Mit noch zwei gleichgesinnten jungen Frauen hatten wir am 7.7.1977 unsere erste Quartettprobe. Auf Grund unserer guten Ausbildung bei Hans Krasser hatten wir rasch sehr viele Konzerterfolge und bald sogar erste Rundfunkaufnahmen beim Südwestfunk in Stuttgart, beim Bayrischen Rundfunk und beim WDR. Weitere Konzerte und Rundfunk- und Fernsehaufnahmen auch im Ausland folgten.
 Nach ca. 13 Jahren kam es durch berufliche Veränderungen zur Auflösung des Quartetts. Dafür gab es neue Aufgaben für das Orchester. Vom "Deutschen Musikrat" wurde der Deutsche Orchesterwettbewerb ausgeschrieben, bei dem alle 4 Jahre erst auf Landesebene und bei Qualifikation dann auf Bundesebene ein Bundessieger festgestellt wurde. Unser Orchester mit ca. 16 Zitherspielern, drei Gitarren und einem Kontrabaß gewann diesen Wettbewerb bisher viermal, so dass ich sagen könnte, vierfacher Deutscher Meister im Zitherspiel zu sein. Inzwischen bin ich Rentner, spiele weiter im Bochumer Zitherorchester, dessen aktueller Dirigent der Belgier Frederic Jenniges ist, der übrigens im Orchester von Andre Rieu spielt, und bin auch gern gesehener Musiker bei Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Vereinsfesten und auch bei Trauerfeiern. Des Weiteren begleite ich einen Singekreis bei seinen Proben und Auftritten. Übrigens spielt mein Sohn Dirk auch Zither, gelernt bei Hans Krasser. Dirk ist 1. Vorsitzender des Landesverbands Nordrhein-Westfalen im Deutschen Zithermusikbund und auch 1. Vorsitzender unseres Bochumer Orchesters. Beim Wettbewerb "Jugend musiziert" war er mehrfach 1. Preisträger beim Regional- und Landeswettbewerb.
 Jetzt noch ein paar Bemerkungen zum Weihnachtsmarkt im Dorf: Beim ersten und zweiten Weihnachtsmarkt, die ich beide sehr gelungen fand, fiel mir auf, dass die Ausstellungen der gebhardt2anwesenden Künstler in der Christuskirche zwar sehr ansprechend waren, aber meiner Meinung nach durch dezente Musik hätten bereichert werden können. Ich fasste also den Entschluss, beim dritten Weihnachtsmarkt 2007 in der Christuskirche zu spielen. Es gab erfreulichen Zuspruch und interessiertes Publikum, zumal nur bei der Gelegenheit die Möglichkeit bestand, Weihnachtslieder zu hören. Beim letzten Weihnachtsmarkt war die Zahl der Zuhörer noch größer, was sich aber in diesem Jahr noch steigern ließe, wenn meine Auftrittszeiten vorher bekannt gemacht werden würden. (Die Veranstalter werden dem Vorschlag folgen, d. Red.)
 Die DOPO bedankt sich ganz herzlich bei Gerhard Gebhardt (Unterstr. 34, Tel: 294742) und wünscht ihm alles Gute und noch viele erfreuliche musikalische Erfahrungen. Gerhard Gebhardt wird am 5.12.09 beim 5.Weihnachtsmarkt im Dorf in der Christuskirche zu hören sein. - Wissenswertes zum "Bochumer Zitherorchester" liefert die homepage www.bochumerzitherorchester.de

Hier noch einige Fakten zum Thema "Zither":

1. Der Begriff "Zither" (lat.: Cithara) bezeichnet im Allgemeinen Instrumente, deren Saiten parallel zu einem Resonanzkörper verlaufen. Zu den Ursprüngen des Instruments zählen das Monochord der Antike und das im 16. Jhdt. entstandene Scheitholt. - Die Konzertzither besteht in ihrer heutigen Form seit 1862 und wird in vier Stimmlagen gebaut: Quint-, Diskant-, Alt- und Basszither. - Der chromatische Tonumfang beträgt jeweils fast sechs Oktaven. Die bis zu 42 Saiten sind in Quart-Quintreihung gestimmt. Hiervon sind fünf Saiten Melodiesaiten aus Metall (Stahl, Bronze und Messing), unter denen sich ein Griffbrett mit chromatischen Bünden befindet. - Die Finger der linken Hand verändern durch Duck der Saite auf das Griffbrett die Tonhöhe der fünf Saiten. Der rechte Daumen schlägt mit einem Metallring diese Saiten an. Die übrigen Finger der rechten Hand können eine akkordische oder polyfone Begleitung durch Zupfen der 33 bis 37 freischwingenden Saiten erreichen.
2. Die Zither ist keineswegs auf die alpenländische Volks- und Unterhaltungsmusik beschränkt. Sie ist in ihrer Entwicklung über das Volksmusikinstrument zum Kunstmusikinstrument geworden. - Schon lange gibt es eine Originalliteratur mit konzertanten Werken im Stil der Klassik und Romantik sowie zeitgenössische Musik des 20. Jahrhunderts. - Darüber hinaus spielen bedeutende Zithersolisten und Ensembles Bearbeitungen von Werken aus Renaissance, Barock, Klassik, Impressionismus sowie Pop- und Jazzstücke neuerer Zeit. - Dabei kann die Zither in allen denkbaren Besetzungen bis zum Orchester mit 30 Zithern gespielt werden. Auch Kombinationen mit Zusatzinstrumenten wie Gitarre, Hackbrett, Bass, Flöte und Schlaginstrumenten werden häufig zusammengestellt (zitiert aus dem Flyer von Gerhard Gebhardt).
3. Die weltweit wohl bekannteste mit einer Zither gespielte Melodie ist die Harry-Lime-Melodie aus dem englischen Filmklassiker "Der dritte Mann" (dadada dada dada, dadada dada dada, …). Sie stammt von dem österreichischen Werkzeugschlosser und Hobby-Zitherspieler Anton Karas, dem Regisseur Carol Reed im Sommer 1948 in einem Heurigen-Lokal im Wiener Stadtteil Grinzing begegnete. Gebannt vom eigentümlich-eindringlichen Klang des ihm fremden Instruments kommt ihm die Idee zur Musik zu seinem Film, den er gerade in Wien abdreht. Der Rest ist Film- und Musikgeschichte: Der Film mit Orson Welles in der Hauptrolle erhält den Großen Preis von Cannes und wird zum Klassiker, Anton Karas ist von Stund an ein gemachter Mann, lässt zweiundvierzigjährig den Werkzeugschlosser Werkzeugschlosser sein, tourt mit seinem Lieblingsinstrument durch die Welt und setzt sich mit seiner Harry-Lime-Melodie ein Denkmal. (Vielleicht kann man nach höflicher Anfrage Gerhard Gebhardt bei seinem Auftritt in der Christuskirche am Weihnachtsmarkt dazu bringen, doch einmal Haary Limes dadada dada dada seinen Zither-Saiten zu entlocken!)
pawimö
 
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Langendreer
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