Im Gespräch mit Norbert Busche
Dienstältester Bezirksbürgermeister in Deutschland?
Das behauptet zumindest das ZDF nach eigenen Recherchen. Auf jeden Fall steht "unser Norbert " der Bezirksvertretung Bochum-Ost seit 25 Jahren vor, Grund genug, ihm zum Jubiläum zu gratulieren, Grund genug für ein ausführliches Gespräch mit der DORFPOSTILLE, die seit 28 Jahren den Stadtteil beglückt und das politische Geschehen in Langendreer aufmerksam verfolgt und dokumentiert. So trafen wir uns also am 1. Oktober im Zimmer 25 des Amtshauses und nahmen uns zunächst seinen politischen Werdegang vor. Es begann mit dem Auftrag eines Lehrers der Franz Dinnendahl-Realschule an seinen Schüler Norbert Busche und zwei Mitstreiter, ein Referat zum Thema " Die Parteienlandschaft in der Bundesrepublik" zu verfassen. Die SPD half den jungen Parteienforschern am nachhaltigsten und das neue Godesberger Programm der SPD beeindruckte den 16 jährigen Norbert und seine beiden Mitschüler so sehr, dass sie prompt Mitglieder wurden. Norbert Busche zunächst im Ortsverein Langendreer-Dorf, ab 1972 dann im OV-Langendreer-Holz, wo er bald zum Beisitzer im Vorstand avancierte, ein Jahr später stellvertretender Vorsitzender wurde und schließlich 1. Vorsitzender. Bald danach folgte seine Wahl in die Bezirksvertretung Bochum-Ost. Gemeinsam mit Dr. Wolfgang Heinemann ist Norbert Busche im nächsten Jahr 35 Jahre SPD-politisch für den Bochumer Osten aktiv - seit Gründung des Stadtteilparlaments am 4.5. 1975: "Wir sind die einzig verbliebenen sogenannten Männer der ersten Stunde in ganz Bochum und darüber hinaus." War er zunächst stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, so wurde er nach der Kommunalwahl 1979 zum Chef der Fraktion gewählt. Bereits am 16.3.1984 übernahm er das Amt des Bezirksvorstehers und wurde nach der Wahl im Oktober desselben Jahres darin bestätigt. Am 29.Oktober 2009 erfolgte also die 7.Wahl in das nun "Bezirksbürgermeister" genannte Amt. Lassen wir noch ein paar Zahlen sprechen, um die Dimensionen seiner Amtstätigkeit zu konkretisieren: So bereitete er mit anderen aktiven Parlamentariern alle bisherigen 32 Bürgerwochen vor, eröffnete sie seit 1984 25 Mal, führte über 300 Bürgersprechstunden mit einigen Tausend Besuchern durch, leitete rund 250 Sitzungen der Bezirksvertretung Ost mit rund 5000 Tagesordnungspunkten ("Ich bin in den 25 Jahren lediglich zweimal vertreten worden."), nahm an ca. 500 Fraktionssitzungen teil und vertrat den Stadtbezirk bei rund 200 Ratsitzungen des Stadtparlaments. Unzählig schließlich die Teilnahme an diversen Ausschüssen, Kommissionen und Ortsterminen, an Veranstaltungen, Feiern, Festen, Jubiläen von Kirchen, Schulen, Vereinen, Verbänden und Institutionen in Bo-Ost und manchmal auch darüber hinaus. Ebenso unzählig die Durchführung erster Spatenstiche, von Einweihungen und Jubiläumsfeiern öffentlicher Gebäude und Schulen im Stadtbezirk. Unzählige Teilnahmen an Bundesverdienstkreuz-, Ehrenring- und Ehrenplakettenverleihungen, eigene Vornahme feierlicher Auszeichnungen und Ehrungen verdienter Mitbürgerinnen und Mitbürger per Bundesverdienstmedaillen und Ehrenplaketten. Schließlich nicht zählbare Durchführungen von Alters- und Ehejubiläensehrungen für 90, 95 und 100jährige Geburtstage bzw. 50 oder 60jährige Ehejubiläen. Nach Kenntnisnahme all dieser Aktivitäten in Zahl und Inhalt, die unmittelbar mit dem Amt des Bezirksbürgermeisters zu tun haben, bat ich Norbert Busche um Stellungnahmen zu verschiedenen politischen Themen, die für Langendreer/Werne von Belang sind.
Zur Kommunalwahl
So stellen ihn die Ergebnisse der Kommunalwahl 2009 durchaus zufrieden, hätte es doch beinahe wieder 9 Plätze für die SPD in der Bezirksvertretung gegeben mit dem fast gleichen Ergebnis wie vor 4 Jahren. Dass der grüne Koalitionspartner einen Platz dazu gewonnen und die oppositionelle CDU zwei Plätze verloren hat, nimmt Norbert Busche gerne zur Kenntnis. Das für ihn und seine Partei so erfreuliche Ergebnis führt er auf die Präsenz der SPD im Stadtteil auch außerhalb der Wahlen zurück. Er verweist dabei auf die populären Bürgerschoppen", die Bürgerkontakte über seine Sprechstunden und auch beim Besuch von Vereinen und Verbänden, von denen er häufig auch zu aktuellen politischen Themen eingeladen wird. Dass seine persönliche Bekanntheit im Stadtbezirk das SPD-Ergebnis durchaus mit beeinflusste, vermerkt Norbert Busche am Rande. Dem Interviewer fiel im Gespräch auf, dass Norbert Busche die von ihm 1984 eingeführten Bürgersprechstunden - die es mittlerweile auch in den anderen Stadtbezirken gibt - besonders am Herzen liegen. Sie finden normalerweise an jedem 1. Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr statt und sind häufig auch mit Folgeterminen verbunden, wenn es nämlich darum geht, sich besonders sachkundig zu einem Thema zu machen oder gar Vertreter der Fachämter hinzu zu ziehen, so z.B. bei Fragen zu Bebauungsplänen, zu Straßenbäumen oder defekten Straßenbelägen, die oft auch mit Ortsterminen verbunden sind. Ansonsten kann der Bezirksbürgermeister mit seinen Erfahrungen und Kontakten seinen Besuchern meist direkt Tipps und Hilfen geben. Dazu fallen Norbert Busche auch anrührige Geschichten ein, so z.B. als eine alte Dame sich im besten Sächsisch darüber beklagte, dass die Bank am Amtshaus von jungen Männern häufig umgestellt werde und sie dann nicht mehr die Vögel füttern könne. Bereits einen Tag später war die Bank an alter Stelle fixiert und beim nächsten Sprechtag bedankte sich die Dame herzlich.
Schwerpunkte
Zur Frage nach den Schwerpunkten bezirklicher Rot-Grün-Politik in der Zukunft verweist Norbert Busche auf die Bemühungen, Bauland in Bochums Osten zur Verfügung zu stellen, so z.B. auf dem Kirmesplatz an der Ovelacker Straße, auf dem Havkenscheider Feld und im Bereich der Rüsingstraße in Werne. Auch die Entwicklung von Industriebrachen zur Ansiedlung mittelständischer Betriebe soll fortgeführt werden, so z.B. auf dem Robert Müser-Gelände in Werne und an der Grenze zu Lütgendortmund. Dass die Bezirkspolitik angesichts der Opel-Krise nur sehr begrenzten Einfluss hat, ist Norbert Busche natürlich bewusst, er stellt aber die Bemühungen heraus, das "Infrastrukturband" zu stärken, z.B. durch die Entwicklung einer Art "Rohrpost", mit deren Hilfe Cargo-Cabs Transporte kürzer und billiger vollziehen und die Straßen vom Schwerlastverkehr entlastet werden können. Um Arbeitsplätze in Bo-Ost zu sichern, wird die Bezirksvertretung sich um die Verbesserung der "Nahbereichseinkaufszentren" im Dorf, am Alten Bahnhof, im Werner Zentrum und in Laer bemühen. Es wird dabei um die Verhinderung von Leerständen und Billigläden gehen, indem man z.B. im Kontakt zu den ansässigen Geschäftsleuten Zusammenlegungen empfiehlt und über die Wirtschaftsförderung durch finanzielle Anreize den Ausbau des Warenangebots unterstützt. Die enge Zusammenarbeit des Bezirks mit der Werbegemeinschaft Alter Bahnhof (WAB) ist für Norbert Busche ein gutes Beispiel für diese Bemühungen. Der Versuch, eine weitere ALDI-Ansiedlung in dem Bereich zu verhindern, macht die Zusammenarbeit momentan konkret.
Zur 310
Dass SPD und GRÜNE als Befürworter des Straßenbahnprojekts 310 bei der Kommunalwahl so gut abgeschnitten haben, beweist nach Norbert Busches Einschätzung, dass "die lauten Gegenstimmen in der Öffentlichkeit" nicht der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung entsprechen. Zähle man die 310-Befürworterparteien "Soziale Liste" und "Die Linke" mit ihren Stimmanteilen dazu, so ergeben sich immerhin stattliche fast 70% Zustimmung. Überraschend für den Interviewer war die Information, dass es bereits 1980 Überlegungen gab, eine U-Bahn-Verbindung unter der Alten Bahnhofstraße zu bauen und dass die CDU bis 1999 die planerischen Ansätze zum Straßenbahnausbau mitgetragen habe. Und dass nicht nur der Rat der Stadt Witten, sondern auch der Bochumer Stadtentwicklungsausschuss fast einstimmig mit den Stimmen von CDU und FDP dem 310-Projekt zustimmten, ist für Norbert Busche auch Ermunterung für die verkehrspolitische Position der Rot-Grün-Koalition im Stadtbezirk. Wichtig in dem Zusammenhang ist ihm auch der Hinweis, dass die Unterstraße innerhalb der nächsten zwei Jahre einen neuen Kanal erhält, also eine entsprechende Baustelle sowieso zu erwarten ist. Mit dem Ausbau der 310 würde man dann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Schule und Freizeit
Schließlich ist Norbert Busche ein verlässliches Schulangebot in Bochums Osten wichtig mit allen existierenden Schulformen, die es also zu stabilisieren gilt. Zudem sollen die Sportanlagen zunehmend mit Kunstrasen ausgestattet werden. Dabei fehlen noch Plätze von ESV Langendeer und Wacker Werne. Der Erhalt und die Renovierung des Hallenfreibads in Langendreer als auch des Freibads in Werne sind für Norbert Busche weitere Herausforderungen an die Bezirkspolitik. Was bisher geleistet wurde in Bochums Osten, habe immerhin dazu geführt, dass Langendreer (38000), Werne (16000) und Laer (8000) mit ihren 62000 Einwohnern der Stadtbezirk in Bochum sind, der Zuwanderung zu verzeichnen hat. "Attraktivität ist also vorhanden, gilt es auszubauen", so die Bilanz Norbert Busches, bei dem wir uns für das Gespräch herzlich bedanken und dem wir für seinen weiteren politischen Einsatz für unseren Stadtbezirk alles Gute wünschen. pawimö
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