Die Weinkolumne:
Prosecco - Champagner fürs Volk?
Prost Prosecco! Das Sommerprodukt schlechthin. Was der Deutsche darunter versteht: einen Prickelwein mit reduzierter Sprengkraft. Perlwein im ItaloDesign. Aber das macht den Prosecco eigentlich nicht aus. Prosecco ist eine Traubensorte, aus der solche Weine gemacht werden. War eine Traubensorte, denn die Italiener sind es leid, dass jeder Hans und Franz aus diesen Trauben irgendwo irgendwas zusammenschustert und in deutschen Massenkellereien dann in Flaschen oder goldene Dosen füllt. Weil die Prosecco-Industrie, z. B. deutsche Kellereien, genau weiß, wie schwach ihr Prickler auf der Brust ist, verhübscht sie die Granulatkorken mit Bindfäden, damit deutsche Kunden denken: "Wenn schon einer diese niedlichen Fäden um die Korken bindet wahrscheinlich die Oma vom Winzer dann muss es ja gut sein." Der Prosecco aber wildert heute vor allem bei After-Work-Partys. Dort trinken sich die Prosecco-People ihr Single-Dasein schön und gaukeln sich auf den Barhockern Champagnerlaune vor. Symptomatisch für Prosecco ist sein Hang zur Inflation. Immer wenn es schlimmer nicht mehr werden kann, läutet irgendeiner die nächste Runde ein. Wie Günther Aloys mit seiner Idee, Prosecco in Dosen zu füllen. Seit Kurzem ist Prosecco jetzt eine Herkunftsbezeichnung (wie auch Champagner oder Cognac an eine Region gebunden) und die Traube wird in Glera umbenannt. GleraPerlwein darf jeder machen, Prosecco darf nur noch pur und in der Region hergestellt werden. Die Italiener hoffen damit, dem Image des Prosecco einen besseren Stand gegeben zu haben. Wenn Prosecco draufsteht, ist es ein Perlwein oder Qualitätsschaumwein (Sekt) aus der Traubensorte Glera. Unterschied hier: Der Perlwein prickelt weniger und spart in Deutschland die Sektsteuer von EURO 1,02 je Flasche, der Prosecco Sekt wird meist in Extra Trocken oder Brut hergestellt und hat neben hoher Qualität in den meisten Fällen auch einen Preis wie andere gute Sektsorten (ab EURO 8,00). Sekt ist die vor allem im deutschsprachigen Raum gängige Bezeichnung für Qualitäts-Schaumwein, ein alkoholisches Getränk mit Kohlensäure, dessen Alkoholgehalt mindestens zehn Volumenprozent beträgt. Markensekte buhlen seit langem mit Sekt vom Winzer, Cava (Sekt aus Spanien) und Cremant (Sekt mit regionaler Herkunft, meist aus Frankreich) um die Gunst des Kunden. Dabei gibt es große Unterschiede: Die meisten Sektsorten sind im Preisbereich bis EURO 4,00 angesiedelt, sind aus verschiedenen Grundweinen im Tank hergestellt. Eine Methode für große Mengen bei gleichbleibendem Geschmack. Das genaue Gegenteil davon ist die Flaschengärung. In der Champagne üblich stellen auch deutsche Kellereien und Winzer nach dieser Methode in der Flasche erzeugte Sekte her. Die aufwändigste und teuerste Art Wein zum Prickeln zu bringen. Nicht umsonst hat der edelste Prickler nach der Flaschengärmethode Kultstatus unter seinen Freunden in aller Welt: der Champagner. Nur aus der begrenzten Region Champagne in Frankreich gibt es ordentliche Champagner schon ab EURO 20,00 auf der nach oben offenen Luxus-Skala. Was auch immer der Freund des gepflegten Prickelns mag, auf eines sollte man achten, es sollte schmecken. Nicht klebrig süß, nicht sauer, einfach lecker. Olaf Vorberg
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