Notinseln in Langendreer:
„Wo wir sind, bist du sicher.“
 Immer wieder können wir in den Tageszeitungen über die Notinseln in Bochum und in Langendreer lesen. Was Notinseln aber genau sind, woher sie kommen und wo bei uns in Langendreer Notinseln zu finden sind, hat die DOPO interessiert. Die von der Stiftung Hänsel + Gretl ins Leben gerufenen Notinseln sind Schutzräume, sie "bieten Kindern Zuflucht vor Gewalt und Gefahr" (so der Flyer der Notinseln). Notinseln sollen Kindern, die in Not sind, die Angst haben oder einfach Hilfe brauchen als Zufluchtsort dienen. Also eigentlich ein alltäglicher Dienst an unseren Mitmenschen. Bei den Notinseln geht es aber laut Kinderbüro der Stadt Bochum besonders darum, offen kund zu tun, dass hier gerne Hilfe geleistet wird. Zudem soll dieses Bekenntnis auch hilfesuchenden Kindern die Hemmungen nehmen, sich an Erwachsene zu wenden. Die Stiftung Hänsel + Gretl ist 1997 gegründet worden, wozu die 1996 bekannt gewordenen Fälle von Kindesmissbrauch der belgischen Dutroux-Affäre maßgeblich beigetragen haben. Die Idee ist einfach: Hänsel + Gretl regt Kinderschutzprojekte an, die (missbrauchten) Kindern helfen sollen. Die Notinseln sind eines von vielen Projekten, bei denen Strukturen geschaffen wurden, Kindern schon vor oder in Notsituationen beizustehen. In Bochum gibt es Notinseln schon seit einigen Jahren. Für die Umsetzung und Betreuung des Projekts ist das Kinderbüro der Stadt Bochum zuständig. Das Kinderbüro selbst ist eine Einrichtung des Jugendamts. Immer wieder neue Notinselpartner zu finden, ist eine wichtige Aufgabe, der sich das Kinderbüro in diesem Zusammenhang widmet. Die interessierten Geschäfte, Banken u.ä. können sich unter der "Eltern-Service-Nummer" 0234-910-2930 melden. Wichtig ist, dass den Notinselpartnern KEINE Kosten entstehen. Ein Notinselpartner zu werden ist außerdem sehr unbürokratisch. Den Interessierten wird eine "Absichtserklärung" zugesandt, die unterschrieben wieder zurück ans Kinderbüro geht. Die neuen Partner können dann den großen Aufkleber mit den drei Kindern und dem Schriftzug "Notinsel" als deutliches Zeichen in ihr Schaufenster oder an ihre Tür kleben. Außerdem erhalten alle Notinselpartner einen Leitfaden sowie Info-Material mit Adressen und wichtigen Telefonnummern. Normalerweise fragt das Kinderbüro einmal jährlich bei den Partnern an, ob sie weiterhin dabei sind, und aktualisiert die bestehende Liste der Notinselpartner. Diese Liste kann als PDF-Datei von der Internetseite http://www.bochum.de heruntergeladen werden. Bekannte Partner des Notinsel-Projekts sind der VfL, die Stadtwerke, die Polizei und die Sparkassen Bochums. Dennoch betont Herr Knost vom Kinderbüro, dass neue Partner immer willkommen sind. Jedes Jahr veranstaltet das Kinderbüro Bochum eine Notinsel-Rallye. Hierbei sollen vor allem die Kinder die Anlaufstellen in ihrer Nachbarschaft kennenlernen. Zudem ist es eine gute Gelegenheit, das Projekt noch bekannter zu machen und eventuell neue Partner anzuwerben. Bei der Rallye sollen die Kinder verschiedene Notinseln aufsuchen und sich den Besuch bei jeder Anlaufstelle mit einem Stempel auf dem Stempelbogen quittieren lassen. Sobald sie zehn Stempel gesammelt haben, können sie den Bogen einschicken. Die Preise werden dann unter allen Einsendungen verlost. Die Kinder werden durch die Grundschulen oder durch die Presse über die Rallyes informiert. Die Grundschulen bekommen dann die Stempelbögen zugesandt. Herr Knost hat zudem bestätigt, dass Schulen und Kitas auch eigene Projekte veranstalten. Alle Kitas und Grundschulen in Bochum seien über das Projekt informiert. Bei einer Grundschule in Langendreer haben wir natürlich auch nachgefragt. Eine Schulleiterin erklärte, dass die Notinseln teil des Unterrichtstoffs seien und deshalb auch immer wieder im Unterricht erwähnt werden. Selbstverständlich wollte die DOPO noch wissen, ob die Notinseln denn auch von den Kindern bei Bedarf angenommen werden. Laut Kinderbüro wurden im Jahr 2008 etwa 17 Fälle gemeldet. Auffallend war, dass es dabei häufig um Übergriffe unter Kindern oder Jugendlichen ging. Bei einigen Notinsel- Partnern in Langendreer nachgefragt, gaben die meisten an, dass bisher keine Kinder um Hilfe gebeten hätten. Obwohl die Mitarbeiter der Sparkasse in der Maiwegstraße (Alter Bahnhof) auch schon mal vor die Tür schauen, wenn ihnen etwas seltsam oder verdächtig vorkommt. Andere Geschäftsleute hingegen konnten tatsächlich schon helfen. So kam Frau Burghoff vom Teeladen schon mal mit nach draußen, weil Kinder sich beobachtet fühlten. Oder auch in der Dorffleischerei Böker meldete sich einmal ein weinendes Kind, dem durch ein Telefonat geholfen werden konnte. Alle befragten Notinsel-Partner bestätigten jedoch, dass viele Kinder "anrücken" und ihre Bögen abstempeln lassen, wenn die jährliche Rallye stattfindet. Offensichtlich sind die Notinseln vielen Kindern in Langendreer bekannt. Das Zeichen hängt auch bei fast allen Partnern deutlich im Schaufenster oder an der Tür. Trotzdem können alle Eltern, Lehrer oder Erzieher weiterhin dazu beitragen, den Kindern die Notinseln zu zeigen und sie damit vertraut zu machen. Denn wenn sie Bescheid wissen, scheinen sie die Notinseln bei Bedarf tatsächlich zu nutzen. Babsi
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