PDF Drucken E-Mail

Erster Werner Schnadegang


Das Jahr war noch keine drei Tage alt, da fand der erste Werner Schnadegang statt. Dazu eingeladen hatte der Turn- und Rasensportverein TuRa Bochum-Werne 1925. Dem Aufruf folgten rund 25 Personen aus Werne und den Stadtteilen Lütgendortmund, Langendreer und Harpen, um gemeinsam die Grenzen von Werne abzugehen. Der Schnadegang ist ein alter Brauch der Grenzbegehung, der aber 1841 offiziell verboten wurde. Bei dem Gang wurden die Gemeindegrenzen des Ortes überprüft. Damit sollte verhindert werden, dass die Grenzen von einem der Nachbarn verändert werden. Als Grenzmarkierungen dienten natürliche Gegebenheiten wie Gräben, Bachläufe oder gekennzeichnete Bäume. Später ging man dazu über Grenzsteine, auch Hütesteine, als Markierungen zu setzen. Diese sind teilweise bis heute noch erhalten. An der Grenzbegehung nahmen damals neben den alteingesessenen Gemeindegliedern, den "Poalbürgern", auch die zugezogenen Bürger des Ortes und Vertreter der Nachbardörfer teil. Neben der Überprüfung der Grenze wurden die neuen Bürger mit ihr vertraut gemacht. Dazu wurden die Bürger an einem Grenzstein angehoben und dreimal auf diesen gesetzt. Dabei rief der Oberschräpper "Für Freiheit und Recht und ein ehrlich Menschengeschlecht." Die Anwesenden antwor teten mit "Olle use", was soviel bedeutete wie "Alles unsers". Der in die Gemeinschaft aufgenommene Poalbürger hat anschließend sein Winnegeld in Form einer alkoholischen Runde gezahlt. Nicht selten wurden diese Schnadegänge auch durch Volksfeste begleitet.
RitualSchnadegangSo weit die Überlieferung. Diese schöne Tradition wurde vom Turn- und Rasensportverein aufgenommen. Vorbereitet wurde der Gang vom "Oberschräpper" Gerhard Homann, Wanderwart des Vereins. Heutzutage kann der Grenzverlauf nicht mehr in seiner ursprünglichen Form abgegangen werden. Durch die Eingemeindung nach Bochum verläuft die Grenze heutzutage teilweise über private oder Industriegrundstücke, so dass wir hier und da dem Straßenverlauf ausweichen mussten. Der Werner Schnadegang begann am "Werner Hellweg", Ecke "Zum Berkenstück". Ca. 100m östlich davon befinden sich die beiden letzten Häuser auf der linken Seite stadtauswärts. Hier treffen wir schon auf die erste Kuriosität. Genau zwischen den beiden Häusern verläuft die Grenze zwischen Werne und Lütgendortmund. Das linke Haus gehört zu Bochum, das rechte zu Dortmund. Weiter geht es entlang des Werner Hellweges bis zur Einmündung der "Lütge Heide", wir verlassen den Hellweg und nutzen den Feldweg und später die Ackergrenze parallel zur Dortmunder Straße "Wilhelmshöh", kreuzen die Sackgasse "In den Breen". Zwischen "Sonnige Höhe" und "Schöne Aussicht" ist der erste Grenzstein zu finden. Dies ist der östlichste Punkt Wernes und markiert die Grenze zwischen Lütgendortmund, Langendreer und Werne. Wir folgen dem Weg zwischen dem Opelwerk und dem evangelischen Friedhof, kreuzen "Am Heerbusch" und nutzen den Weg an der Kleingartenanlage "Flora" um an den Wallbaumweg zu gelangen. Folgen diesem bis zur "Salzstr." Biegen dort ein und bevor sie zur "Hohlstr." wird, nutzen wir die Unterführung um zur "Salweidenbecke" zu gelangen. Wenn man genau hinschaut, erkennt man noch die Grundmauern des ehemaligen Ringlokschuppens. Wir folgen dem Straßenverlauf bis zur "Gasstr.", nutzen diese um zu der Straße "Auf den Holln" zu gelangen, folgen dieser bis zur "Ümminger Str.", unterqueren die Eisenbahnschienen und biegen sofort rechts in die Straße "Auf dem Hellwe" ein. Am Ende der Straße führt uns der Weg rechts auf die "Coloniastr." Diese wechselt ihren Namen in "Frenkingstr.". An der "Industriestr." biegen wir links ab und folgen dem Straßenverlauf bis zu Kreuzung. Links geht es weiter auf der "Industriestr.", bis wir zu der Straße "Am Vorort" gelangen. Wir biegen rechts ab und bevor wir die "Ümminger Str." erreichen, verlassen wir die Straßenführung und wechseln auf den Weg, der parallel zum Ölbach führt und erreichen den Ümminger See. Der größte Teil des Sees liegt auf dem Gebiet von Laer und Werne, nur ein kleiner Teil am Einfluss des Ölbaches gehört zu Langendreer. Den See umrunden wir östlich bis zur nördlichen Spitze. Hier folgen wir dem Bach, der die Harpener Seen mit dem Ümminger See verbindet. An der Ecke "Werner Hellweg" / "Industiestr." nutzen wir wieder den Straßenverlauf und folgen dem "Werner Hellweg" Richtung Werne. Am "Rüpingsweg" biegen wir Richtung Norden ab, nach ca. 500 m unterqueren wir wieder einmal die Bahngleise und erreichen die Harpener Seen. Umrunden diese südöstlich. Der starke Schwefelgeruch stammt von dem Grubenwasser, das an dieser Stelle aus den Schächten von Robert Müser heraus gepumpt wird. Am Pastorat kehren wir zur Mittagspause ein. In diesem geschichtsträchtigem Haus wurde die Harpener Bergbau AG gegründet. Nach einer Stärkung geht es weiter auf der Straße "Am Ruhrpark". Auf Grund der Witterungsbedingungen nehmen wir nicht den eigentlichen Weg, bei dem wir einen kleinen Fluss überqueren müssten.Wir biegen rechts auf den "Harpener Hellweg" ein und folgen dem Straßenverlauf bis zur "Kretastr.". Die rechte Straßenseite gehört zu Werne, die linke zu Lütgendortmund. Mit einer Ausnahme: In Höhe der Hausnummer 468 befinden sich auf der linken Seite zwei kleine Stichstraßen, die im vorderen Teil noch zu Werne gehören. Über die "Kretastr." verlassen wir den Hellweg, biegen in die Straße "Auf dem Gericht" ein. Der Straßenname weist darauf hin, dass an dieser Stelle früher die Gerichtsverhandlungen stattfanden. An der Ecke "Limbeckstr." gehen wir links durch die Felder, bis wir wieder zum "Werner Hellweg" kommen. Kurz bevor wir diesen erreichen, überqueren wir die B1. An dieser Stelle wechseln wir noch einmal kurz auf Lütgendortmunder Boden. Am Werner Hellweg endet der sechsstündige Schnadegang, auf dem wir viel Interessantes erfahren und alte Bräuche gepflegt haben.
KaH