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Landtagswahl 2010:

Aus dem Tagebuch eines Wahlhelfers

So gut möchte ich es auch mal haben! Den ganzen Tag in einem Gasthaus mit Essen und Trinken im Überfluss verbringen und noch ein ordentliches Tagegeld kassieren.“ Diesen Ausspruch eines Freundes hörte ich vor einiger Zeit, als ich eine Einladung nicht annehmen konnte, weil ich als Wahlhelfer eingesetzt war.
Nun war es wieder soweit. Ich hatte es Schwarz auf Weiß: Wahlvorsteher in Langendreer! Und das am Muttertag, der ja gewöhnlich etwas anders verbracht wird. Anstelle der gut geführten Gaststätte wartete ein nüchterner Sozialraum in einer Wohnanlage mit Selbstverpflegung auf das Wahlhelferteam.
Bevor am Wahlsonntag um sechs Uhr der Wecker klingelte, gab es schon einige Vortermine. Eine Schulung musste absolviert werden. Der Scheck für die Tagegelder und weitere Unterlagen waren entgegen zu nehmen. Der Freitag war der Überprüfung der Utensilien im Wahllokal vorbehalten. Am Samstag bestand Anwesenheitspflicht zur Annahme der durch Kurier gelieferten und noch vor der Auslieferung aktualisierten Unterlagen.
Nun konnte der Wahltag endlich beginnen. Glücklicherweise war die siebenköpfige Mannschaft pünktlich um 07.30 Uhr im Wahllokal angetreten. Dreißig Minuten bis zum Start der Wahlhandlung! Wenig genug, wenn man bedenkt, dass noch Tische und Stühle gerückt und Wahlkabinen aufgebaut werden mussten. Bekanntmachungen und Schilder suchten ihren Platz und die Mitglieder des Wahlvorstandes mussten noch mit ihren Aufgaben vertraut gemacht werden. Schließlich waren auch die Pausenzeiten zu regeln, um jederzeit die Mindestbesetzung sicherzustellen.
Pünktlich um acht Uhr ging es los. Mit dem Glockenschlag trafen bereits die ersten Wählerinnen und Wähler ein. Die „Feuerprobe“ gelang. Im Tagesverlauf gab es den einen oder anderen Ansturm, dann wieder schwache Phasen, in denen auch einmal organisatorische Dinge geregelt werden konnten. Besondere Vorkommnisse blieben aus, abgesehen von einigen Wählerinnen und Wählern, die zu einem anderen Wahllokal gehörten und deshalb höflich aber bestimmt dorthin verwiesen werden mussten. Oder der allzu leichtfertige Umgang mit dem ungefalteten Stimmzettel außerhalb der Wahlkabine. Auch in solchen Fällen waren Hinweise erforderlich, doch bitte das Wahlgeheimnis zu wahren. Schließlich mussten einige gebrechliche Wählerinnen und Wähler Personen ihres Vertrauens hinzuziehen, da sie allein ihr Wahlrecht nicht mehr ausüben konnten. Dann sprangen auf Wunsch selbstverständlich auch Mitglieder des Wahlvorstandes ein.

Wahlbezirk Wahlbet. CDU SPD Grüne FDP Linke Sonst.
LA Nord/Ümmingen 57,59 21,13 50,21 11,29 3,53 9,72 4,12
LA West 57,42 57,42 53,05 10,36 2,45 9,04 3,24
LA Ost 62,53 24,5 50,59 10,75 2,64 8,35 3,18


Ebenso pünktlich wie am Morgen begonnen, konnte die Wahlhandlung um 18.00 Uhr beendet werden. Schon in der letzten Stunde hatte sich eine gewisse Unruhe breit gemacht. Würden die Ergebnisse stimmen? Gab es Fehler bei den Stimmabgabevermerken? Schnell wurden die überflüssigen Gegenstände beiseite geräumt.
Nach dem Öffnen der Wahlurne ergoss sich ein mächtiger Berg aus Stimmzetteln über den Tisch. Alle stürzten  sich darauf und sortierten, „was das Zeug hielt“. Nach einer Dreiviertelstunde waren mehrere Stapel gebildet und doppelt gezählt. Nun war es an der Zeit, über zweifelhafte Stimmabgaben Beschlüsse zu fassen. Das waren etwa solche Stimmzettel, die nicht an den vorgesehenen Stellen gekennzeichnet worden waren oder nicht tageslichttaugliche Kommentare enthielten. Es galt die einfache Mehrheit der Mitglieder; bei Gleichstand entschied die Stimme des Wahlvorstehers. Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Geschafft! Die Schnellmeldung an die Wahlleitung im Rathaus beendete diese Phase.
Um 19.15 Uhr wurden die Stimmzettel verpackt. Nicht mehr benötigtes Material fand seinen Platz in der nun leeren Wahlurne. Die Wahlniederschrift erschien endlos. Schließlich war sie vollendet und trug alle sieben Unterschriften. Nun konnten die Tagegelder ausgezahlt werden. Der Blick zur Uhr beim Aufräumen des Wahlraumes zeigte, dass nun zwölf Stunden seit der Zusammenkunft der Wahlhelfer vergangen waren.
Jetzt stand für mich noch die Autofahrt zur Wahlleitung ins Technische Rathaus an. Waren alle dort benötigten Unterlagen vorhanden? Es galt, eine unnötige zweite Fahrt ins Rathaus zu vermeiden. Erleichtert sah ich zu, wie von dem Mitarbeiter in der Wahlleitung ein Punkt nach dem anderen abgehakt wurde. Schließlich begann um kurz vor 21.00 Uhr der wohlverdiente Feierabend. Im WDR-Fernsehen wurden die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen gezeigt. Ein wenig waren wir daran auch beteiligt.

Meinem Freund hatte ich übrigens geraten, doch auch einmal einen von ihm als so nett beschriebenen Tag im Wahllokal zu verbringen. Diesen Rat hat er bis heute nicht befolgt.      
WR
 
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