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Gut Ding will Weile haben: The Langendreerer

langendreerer_1„The Langendreerer“ – das ist ein Thema, welches den heimatverbundenen Grafiker, Maler, Zeichner und Marionettenschnitzer Klaus Wegmann schon Ende der 80er Jahre intensiv beschäftigt hat. Auch der Ostbochumer Medienmann Eberhard Franken wollte damals ein solches Poster in Angriff nehmen. Erst 1996 taten sich die beiden Kreativen zusammen und gingen ans Werk.
Ein Bild größeren Formats sollte es werden, angelehnt an eine Vielzahl von Vorbildern, wie z.B. „The Bochumer“ oder „The New Yorker“. Getreu den großen Vorbildern sollte es die lokale Architektur, Orte, Kunstwerke zeigen – sowie Gebäude, die für Langendreer charakteristisch sind.
Wegmann zeichnete dieses Plakat, aber es blieb die letzten 14 Jahre ein großartiges Unikat, das seitdem die Wand über Frankens Computer-Arbeitsplatz ziert. Es wurde nie gedruckt, weil es letztlich ein ganz individuelles Bild geworden ist. Druckbar, aber nicht verkäuflich , weil nämlich der Künstler seinen Journalisten-Partner mit hinein malte in die Langendreerer Highlights. Franken war zutiefst bewegt, als Wegmann ihm dieses Bild schenkte.
Keiner der Beiden weiß, warum das Projekt zum Stocken kam, obwohl es ja eigentlich bereits fertig war. Viele Jahre war das Thema – trotz der permanenten Präsenz über Frankens Bildschirm - regelrecht verschüttet. Aber dann präsentierten der pensionierte Lehrer Paul W. Möller mit Gabi Köchling und vielen anderen Mitstreitern mit viel Herzblut und Engagement im Frühjahr des aktuellen Kulturhauptstadtjahres in Langendreer eine ganz große Sache: Die Kunstmeile 2010.  
Das war nicht nur eine Riesen-Ausstellung, sondern gewissermaßen auch eine Messe, eine Leistungsschau der lokalen, der regionalen Kunstszene. Eine großartige Idee, die mit enormer Energie umgesetzt wurde. Neben vielen, vielen guten Bildern, die es in den Tagen vom 24. April bis zum 15. Mai in verschiedenen Geschäften und Institutionen zu bewundern gab, wagte die kulturell stets engagierte und interessierte Buchhändlerin Beatrix Schulte-Gimmerthal ein Projekt mit Jörg Krombach: Der Architekt zeichnete  seine Variante eines „Langendreerers“ .
Die berühmten Vorbilder stellen den jeweils dargestellten Ort in ein makroglobales, künstlerisches Umfeld, das – augenzwinkernd - die Nähe der jeweiligen Stadt zu Metropolen wie Paris oder New York, zum Nordpol oder Hamburg herstellt. Humor – das ist klar - darf bei diesen Großgrafiken nicht  fehlen. Und den fand Eberhard Franken reichlich auf seinem ganz persönlichen „Langendreerer“, während er ihn auf dem neuen Werk ein wenig vermisste.
Also besuchte der Medienmann den jetzt 70jährigen, immer noch begnadeten, immer noch enorm agilen, aber stets zurückhaltenden Zeichner und fragte ihn, ob er es denn nun endlich anpacken wolle, einen „regelkonformen Langendreerer“ zu machen, einen, der die streng grafische Oben-Unten-Perspektive der Vorbilder aufnahm.
Ja, der (Weg)Mann stimmte zu und kam nach nur einer Woche mit dem fertigen Produkt im Großformat DIN A1 vorbei. „Ich muss es jetzt endlich abgeben“, sagte er lächelnd, „sonst höre ich nicht auf, daran herum zu malen.“ Er weiß einfach stets präzise den Zeitpunkt, wann das Bild perfekt ist.
langendreerer_2Mit dieser Gabe hatte der Zeichner von der Stockumer Straße in der Vergangenheit schon reichlich Preise und Urkunden gewonnen, war mit seinen charakterköpfigen Marionetten im Fernsehen und in vielen Zeitungen zu sehen. Verändert hat sich Wegmann in all den Jahren aber kaum. Der Erfolg, den er mit seiner viel zu früh verstorbenen Frau Edith gern teilte, ist ihm nie zu Kopf gestiegen. Sie war es im Übrigen, die alle Marionetten einkleidete und liebevoll mit unverwechselbaren Accessoires ausstattete.
Wegmann war leider bei der Langendreerer Kunstmeile 2010 nicht dabei, was nicht Wenige außerordentlich bedauert haben. Der Künstler selbst sagt, er habe erst spät von dem ambitionierten Projekt erfahren, was man einem viel beschäftigten Pensionär mit großem familiären Wirkungskreis  durchaus glauben kann.  
„Als ich von der Kunstmeile hörte“,  sagt er, „hatte ich nicht genügend Material, um eine Ausstellung beschicken zu können, wollte aber auch nicht überhastet produzieren.“ Dem (Weg)Mann hätte geholfen werden können: Es gibt viele, die (leihweise) das eine oder andere Wegmann-Unikat hätten zur Verfügung stellen können.
Jetzt kann man nun aber endlich wieder etwas von Klaus Wegmann sehen: „The Langendreerer“ ist seit dem 27. Oktober in den Volksbank-Filialen an der Alten Bahnhofstraße und an der Wartburgstraße sowie in der Hauptstelle an der Universitätsstraße erhältlich. Die Volksbank Bochum Witten ist Sponsor dieses Plakates.
Bei Passe-Partout-Inhaber Michael Ruppert kann man das hochwertig produzierte Poster auch fertig gerahmt und/oder handsigniert erwerben. Erhältlich ist es vor Ort aber auch in den Buchhandlungen Gimmerthal und Paulsen, in der Bücherstube Lesezeichen – und auch auf dem Weihnachtsmarkt im Dorf am 4.Dezember.
Klaus Wegmann  und Eberhard Franken haben beschlossen, die Originalgrafik für einen guten Zweck zu stiften.
Pfarrer Wilfried Geldmacher hat sich bereit erklärt, das Werk auf dem Langendreerer Weihnachtsmarkt zugunsten eines Kindergartens zu versteigern.
EF