Übrigens...
Liebe Dopo-Leser und -Leserinnen, unter dieser Rubrik wollen wir ab dieser Ausgabe Wissenswertes, Erwähnenswertes, Unbekanntes, Skuriles, Lustiges und Ernstes aus der Langendreerer Vergangenheit und Gegenwart vorstellen. Über Beiträge unserer Leserinnen und Leser würden wir uns freuen. Fangen wir mit einem Ereignis an, das durchaus dramatisch hätte enden können:
1916: Aufstand um die Wurst
Im ersten Weltkrieg war die Versorgungslage der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sehr schlecht - auch in Langendreer. So hatte das Regierungspräsidium der preußischen Landesregierung per Rundverfügung vom 3.3.1916 die Mehlzuteilung von 225g auf 200g pro Tag reduziert. Nur Schwerstarbeiter erhielten eine monatliche Zulage von 1480g. Doch bereits am 18.01.1916 hatte Arnsberg verfügt, die Anzahl der dazu Berechtigten zu überprüfen und zu reduzieren. Waren es bis dahin in Langendreer 6613 und in Werne 6185 Personen, die zu diesem bevorzugten Kreis gehörten, so wurde deren Zahl nun für Langendreer auf 3675 und für Werne auf 2983 verringert. Die Versorgungslage spitzte sich also zu. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass jeder um jedes Gramm Nahrung kämpfte. Als die Arbeiter der Zeche Bruchstraße, die damals noch zur Deutsch- Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft gehörte, im Herbst glaubten, bei der rationierten Wurstverteilung betrogen worden zu sein, gingen sie in die Offensive. Ihre Beschwerden hatten kein Gehör gefunden – übrigens ging es um ca. 20g Leberwurst pro Person. Also fertigten sie Handzettel an und verteilten sie auf dem Betriebsgelände. Darin riefen sie zu einer Demonstration auf, die von dem Germania-Denkmal am Langendreerer Markt zum Amtshaus führen sollte. Dort wollten sie sich bei Politikern und Verwaltung Gehör verschaffen und ihr gutes Recht einfordern. Dass diese Demonstration schließlich doch nicht stattfand, war eigentlich nur dem Zufall geschuldet. Die Betriebsleitung hatte von den Handzetteln erfahren und diese rechtzeitig vor Beginn der Demonstration entfernen lassen und den Arbeitern mit Kündigung gedroht. GK
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