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Grabeland Oberstraße:

Zimmer frei im Insektenhotel


Gartenfreund Thomas Gerbatowski und seine Frau Andrea bewirtschaften eine Parzelle im Grabeland an der Oberstraße. Als ich ihr selbst gebautes Insektenhotel entdeckte, bat ich sie um eine Veröffentlichung darüber in der DOPO. Hier ist sie. Vielen Dank an die Insektenfreunde.
insektenhotel_1Die Honigbiene kennt jeder, dieses kleine Insekt, das so fleißig von Blüte zu Blüte fliegt und den leckeren Belag für unser Frühstücksbrötchen liefert. Aber kennen Sie auch die Maskenbiene, Wollbiene oder Mörtelwespe? Was kaum jemand weiß, neben den Honigbienen gibt es in Deutschland noch über 500 Arten von Wildbienen, die nicht in großen Staaten, sondern solitär, als „Einsiedler“ leben. Wenn diese kleinen Gesellen sich in Ihrem Garten oder Balkon tummeln, dann können Sie sich freuen, denn sie sind sehr nützlich. Von der Natur werden die kleinen fleißigen Helfer sehr gebraucht, denn sie bestäuben viele heimische Pflanzen, von denen viele ohne die Arbeit der Wildbiene schon verschwunden wären.
Ein Wildbienenleben ist kein Zuckerschlecken, das Motto lautet: Selbst ist die Frau! Das Weibchen legt während ihrer kurzen Lebenszeit von 4-6 Wochen jede einzelne Brutzelle selbst an, versorgt sie mit einer Mischung aus Pollen und Nektar, legt ein Ei ab und verschließt das Kinderzimmer mit einer Trennwand aus feinem Pflanzenmaterial und Speichel. Davor liegt dann die nächste Brutkammer, die ebenso bestückt wird. Ist die gesamte Legeröhre ausgefüllt, wird sie mit einem „Deckel“ verschlossen. Eine „zugemauerte“ Legeröhre zeigt, dass hier eine neue Wildbienengeneration heranwächst. Nach ca. zwei Wochen schlüpft aus dem Ei eine kleine Larve. Durch Mutters Brutfürsorge braucht sie keinen Hunger leiden. Nach weiteren 2 Wochen verpuppt sie sich, um dann im kommenden Jahr, wenn die richtigen Futterpflanzen blühen, als vollendete Biene zu schlüpfen.
Aber auch Insekten wie Marienkäfer, Ohrwürmer oder die Larven von Flor- und Schwebfliegen sind in unserem Garten oder auf dem Balkon sehr nützlich, denn sie ernähren sich als kostenlose biologische „Schädlingspolizei“ von Blattläusen, Lilienhähnchen, Kirschfruchtfliege, Spinnmilbe und anderen Schädlingen.insektenhotel_2
Aber leider fehlt all diesen kleinen Tierchen immer mehr der Lebensraum. Es wird für sie immer schwerer, eine geeignete Nistmöglichkeit oder Futterpflanzen zu finden. Unsere aufgeräumten Gärten mit Zierrasen, Kieswegen und exotischem Pflanzen, in denen keine Gartenabfälle wie Laubreste oder Strauchschnitt mehr liegen bleiben, dezimieren den Lebensraum vieler wichtiger Insekten. Viele Arten drohen auszusterben. Allein die Hälfte der heimischen Wildbienen steht bereits auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.

Mit einem Insektenhotel kann man Wildbiene, Florfliege und Co. einen Übernachtungsplatz und vor allem viele Niströhren für den Nachwuchs bieten.
Wer nicht so gerne selber bastelt, für den gibt es Insektenhotels in Gartencentern fertig zu kaufen. Man kann aber auch kinderleicht eines selbst bauen. Die Materialien, die man für den Bau eines Insektenhotels braucht, findet man in jedem Garten oder der Natur. Schilf, Äste, Lehm, Baumscheiben, Stroh, etwas Holzwolle, Baumrinde, Tonziegel oder Blumentöpfe. Mit diesen Materialien kann man für viele Insekten eine Unterkunft bauen. Dabei ist die Größe nicht entscheidend, selbst auf einem kleinen Balkon kann eine mit verschiedenen Bohrungen (2-10mm) versehene Baumscheibe oder einfach ein paar zusammen gebundene Schilfzweige ein neues Heim für die gefährdeten Nützlinge schaffen. Ohrwürmer, die sich vor allem von Insekteneiern ernähren, fühlen sich in mit Holzwolle gefüllten Tontöpfen wohl, die mit der Öffnung nach unten in die Bäume gehängt werden.
Wenn man das neue Domizil an einer sonnigen, etwas geschützten Stelle aufstellt, wird man staunen wie schnell die ersten Gäste angeflogen kommen und einziehen. Wichtig ist, dass das „Hotel“ auch im Winter draußen bleibt und als Überwinterungsquartier dient.
Sie können mit viel Freude den regen Betrieb aus der Nähe gefahrlos betrachten. Es ist vor allem auch für Kinder lehrreich und interessant sich den Bienen ganz ohne Angst vor Stichen zu nähern. Solitäre Wildbienen sind absolut friedfertig und ergreifen eher die Flucht. Viele Arten besitzen erst gar keinen Stachel oder er ist zu weich um die menschliche Haut zu durchdringen.
insektenhotel_3Sie werden die kleinen Insekten mögen. Es macht Spaß den fleißigen Besuchern zu zuschauen, wie sie die Löcher auswählen, reinigen, nach und nach füllen und zum Schluss ganz sorgfältig verschließen. Und: Ohne die unermüdliche Bestäubungsarbeit von Biene und Co. gäbe es schließlich auch keine Früchte für den Obstkuchen!
Übrigens, den Lebensraum vieler Insekten können Sie bereits mit ein paar „unaufgeräumten“ Ecken im Garten erhalten. Ein Steinhaufen, Totholzstücke, Pflanzen, die allgemein trotz schönster Blüten als „Unkraut“ bezeichnet werden, stellen einen großen Wert für unsere Umwelt dar. Beliebte Futterpflanzen sind blühende Obstgehölze, Wildblumen, heimische Kräuter und Stauden, die reichlich Pollen und Nektar bieten, wie z. B. Fenchel, Dill, Kerbel, Salbei, Thymian sowie Kornblume, Fetthenne, Glockenblume, Kugeldistel, Margerite, Katzenminze oder Schafgarbe. Ungeeignet dagegen sind Pflanzen mit stark gefüllten Blüten, da diese meist keinen Nektar oder Pollen besitzen.
insektenhotel_4Wer sich mehr über Wildbiene und Co. und den Bau eines Insektenhotels informieren möchte, findet sehr interessante Bücher zu diesem Thema beim Pala Verlag (http://www.pala-verlag.de), wie z.B.
- Wolf Richard Günzel: Das Wildbienenhotel - Naturschutz im Garten (9,90 Euro, ISBN: 978-3-89566-244-7)
- Wolf Richard Günzel: Das Insektenhotel - Naturschutz erleben
(14,00 Euro, ISBN: 978-3-89566-234-8)
- Wolf Richard Günzel: Lebensräume schaffen - Wildtiere in Haus und Garten (14,00 Euro, ISBN: 978-3-89566-225-6)
- Thomas Lohrer: Marienkäfer, Glühwürmchen, Florfliege & Co. - Nützlinge im Garten (14,00 Euro, ISBN: 978-3-89566-277-5)

Auch im Internet gibt es viele informative Seiten zu diesem Thema, hier ein paar Adressen zum „einsummen“:
- http://www.wildbienen.de/wbschutz.htm
- http://www.wildbiene.com
- http://www.bienenhotel.de
- http://www.taurachsoft.at/bienen/startseite.htm

Thomas und Andrea Gerbatowski