25 Jahre Bahnhof Langendreer!
Vorweg die allerherzlichsten Glückwünsche von der DORFPOSTILLE an alle Mitmenschen in Vergangenheit und Gegenwart, die für die Erfolgsgeschichte des Projekts BAHNHOF LANGENDREER verantwortlich waren und sind. Fast parallel zur Entwicklung unserer DOPO (seit Frühjahr 1982) ging das Projekt „Bahnhof“ seinen Gang. So finden sich in der DOPO, Nr.6, September 1983, die ersten Anmerkungen zum BAHNHOF LANGENDREER: „Was geschieht mit dem Langendreerer Bahnhof ? … Es bildeten sich … zwei Nutzungstypen heraus, die wir nun im Einzelnen erläutern wollen: 1. Die Errrichtung eines Jugendzentrums, das von der Stadt Bochum oder einem Kulturverein errichtet und betrieben wird… 2. Die wahrscheinlichste Alternative, dass der im Jugendstil gebaute Bahnhof von der Deutschen Bundesbahn abgerissen und damit für immer vernichtet wird.“ Und unter der Überschrift „Bahnhof Langendreer: Letzte Station vor dem Abriss“ kann man in der DOPO, Nr. 7, einige Monate später lesen: „SPD und Stadtverwaltung stehen… mit ihrem Vorschlag… ein Bürgerzentrum im Bahnhof einrichten zu wollen, im Wort. Die Bürger wären schon da, die den Bahnhof mit Leben füllen könnten, bleibt eigentlich nur noch die finanzielle Zusage der Stadt. Die will aber anscheinend kein Geld für dieses Projekt zur Verfügung stellen. So geht’s ja nicht! Ich glaube, eins wird deutlich: Es liegt an uns, ob der Bahnhof zu einem Zentrum wird, oder ob er bis zu einem eventuellen Abriss vor sich hingammelt. Eigentlich müsste sich doch schon längst eine Initiative ZENTRUM BAHNHOF LANGENDREER gegründet haben, oder?“ Und diese „Initiative Bahnhof Langendreer“ gründete sich – bestehend aus Vertretern v erschiedener kultureller, sozialer und politischer Gruppen – setzte sich Ziele und entwarf erste Konzepte. In einem dieser Entwürfe werden potentielle Bahnhofsnutzungen vorgestellt: “ 1. Offene Angebote 2. Treffen und Arbeiten von Initiativen 3. Dienstleistungen 4. Kneipen- und Cafebetrieb 5. Halbkommerzielle und alternative Betriebe“ (aus DOPO, Nr.8, Februar 1984). In der nächsten DOPO (Nr.9, April 1984) erscheint dann der erste Artikel der „Initiative“ und Imke Henneke-Ley berichtet: „Endlich steht fest, dass das Gebäude [des Bahnhofs, d. Red.] nicht abgerissen wird.“ Und ein paar Zeilen später liest man gern: „Außerdem soll am 1. Mai ein großes Fest auf dem Bahnhofsvorplatz stattfinden, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger Langendreers herzlich eingeladen sind. Geboten wird Information, Musik, Speis und Trank für Jung und Alt“. Das Fest fand statt – und wie! Noch wichtiger aber die Nachricht in der DOPO, Nr. 10, Juni 1984, wo es unter der Überschrift „Geschafft!?“ u.a. heißt: „Nach monatelangem Warten auf konkrete Zusagen, nach unzähligen Versammlungen, nach Phasen steigender Ungeduld, … war es schon eine Art ‚freudiger Überraschung‘, als Vertreter der Stadt in jener Sitzung [vom 8.5.1984, d. Red.] zusagten, dass die Stadt Bochum den Bahnhof Langendreer erwerben wird, und tatsächlich im Wesentlichen dem Konzept der Initiative zustimmten. Konkret: 1,5 Mill. DM aus städtischen und Landesmitteln stehen für den Erwerb (ca. 250000 DM) und die Renovierung zur Verfügung.“ Das war der Durchbruch – und es kam noch besser, denn in der DOPO, Nr.11, Oktober 1984, schrieb die „Initiative“: „Es hat sich also doch gelohnt; die unendlich vielen Stunden Arbeit, die Verhandlungen, Termine, Rennereien: Am 23.8.84 beschloss der Rat der Stadt Bochum dem Verein Bahnhof Langendreer e.V. das Nutzungsrecht am Bahnhof zu überlassen.“ Der Verein nutzte seine Rechte und entwickelte den Bahnhof zu dem, was er nun schon seit Jahren ist: Ein Leuchtturm im Freizeit- und Kulturangebot Bochums, der längst überregional eine bedeutende Rolle spielt und zu einem wesentlichen Profilmerkmal Langendreers wurde. In dem unbedingt zu empfehlenden Buch zum Bahnhof „In Fahrtrichtung links. Eine Odyssee durch Revue und Revolte, Klartext Verlag, 2006“, erschienen zum 20. Geburtstag des Bahnhofs, wird die oben aus DOPO-Sicht beschriebene Entwicklung wie folgt zusammengefasst:
„In Fahrtrichtung links geht es aus der S-Bahn an der Haltestelle Bochum-Langendreer durch einen langen, dunklen Tunnel, dessen Durchquerung einen spontan an die Gefährten des Odysseus denken lässt, die ihre Ohren mit Wachs verstopften, um sich vor den betörenden Gesängen der Sirenen zu schützen. Die Zeitgenossin heute ist auf der Flucht vor dem Lärm (und den Abgasen) des Individualverkehrs. Nach dem Tunnel noch einmal scharf links abgebogen und schon steht man vor dem 1908 erbauten denkmalgeschützten Empfangsgebäude des Bahnhof Langendreer. 1982 von der Bahn geschlossen, dem Verfall ausgesetzt und zum Abriss vorgesehen, erreichte 1984 ein Bündnis von BürgerInnen aus Langendreer, Teilen der Bochumer Fabrikbesetzerszene und dem Städtebauministerium NRW, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Stadt Bochum erwarb es von der Bahn und überließ es der „Initiative Bahnhof Langendreer e. V.“ zum Umbau und zur Nutzung als soziokulturelles Zentrum. Nach zwei Jahren zum Teil abenteuerlicher Sanierungs- und Renovierungsarbeiten wurde dann 1986 der Bahnhof Langendreer als Zentrum für Soziokultur eröffnet.“ Und klicken wir auf der homepage des Bahnhofs auf den Schalter „Profil“, so haben wir die Bahnhofswirklichkeit zur Zeit des 25. Geburtstags vor Augen: „Mit unserem Kabarett+Comedy Programm präsentieren wir politisches Kabarett und anspruchsvolle Comedy. Dazu veranstalten wir ausgewählte Lesungen und Theaterproduktionen. Das Musik-Programm profiliert den Bahnhof Langendreer als überregional angesagten Club für Live-Musik mit dem Schwerpunkt World Music. Wir veranstalen dazu ausgewählte Konzerte aus den Bereichen Jazz, Blues und Singer / Songwriter. Seit 2009 veranstalten wir zusätzlich Konzerte aus den Bereichen Indie & Elekto-Pop. Freitags und samstags gibt es regelmäßige Partys.
Zudem führen wir regelmäßig politische Informations- und Bildungsveranstaltungen vor allem in den Bereichen Nord-Süd-Beziehungen (Lateinamerika, südliches Afrika, Israel /Palästina) und Globalisierung, Sozial- und Wirtschaftspolitik, Antimilitarismus, demokratische Rechte und Antifaschismus durch. Das endstation.kino bietet mit 3 Vorstellungen pro Tag ein ambitioniertes und vielfach prämiertes Kino-Programm. Unsere Veranstaltungen finden in der „Halle“ und dem „studio 108“ statt. Unser Programm veranstalten wir seit vielen Jahren aber auch außerhalb des Bahnhofs “OFF-Bahnhof“. Zur Abrundung unseres kulturellen Angebots gibt es mit unseren Veranstaltungs-Gastronomien im „studio 108“ und der „Halle“ zusätzlich das café endstation.kino und die Kneipe im Bahnhof Langendreer. Die „KIB“ ist ein eigenständiger Betrieb. Träger des Kultur-Zentrums ist der gemeinnützige Verein „Bahnhof-Langendreer e.V.“ Nicht immer aus dem Programm ersichtlich, gibt es die „andere Seite“ des Bahnhofs: Wir bieten für politische, soziale und kulturelle Initiativen „Raum“ im wörtlichen wie übertragenen Sinn. Der Bahnhof-Langendreer versteht sich damit als Partner für zahlreiche Initiativen, Institutionen, und Nutzer-Gruppen in Bochum. In diesem Kontext entstehen zahlreiche Kooperationsprojekte. Als Soziokulturelles-Zentrum verbindet der Bahnhof-Langendreer „Kultur“ mit „politischen Inhalten“. Ein Grund für unsere Mitgliedschaft in der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren.“ Wir von der DORFPOSTILLE, deren Redaktionssitzungen seit den Anfängen des Bahnhofs in eben demselben stattfinden, wünschen dem „Bahnhof Langendreer“ weiterhin viel Glück und Erfolg. pawimö
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