Ruhrgebietsspiele:
„Panne-Mann“ und „Wo isset?“
In unserer Reihe Ruhrgebietsspiele möchte ich heute zwei Spiele vorstellen, die dem Memory-Prinzip folgen. Bei dem klassischen Memory liegt eine bestimmte Anzahl an Kärtchen verdeckt auf dem Spieltisch. Die Spieler versuchen zusammengehörige Pärchen zu sammeln. Dazu decken sie nacheinander zwei Karten auf. Passen diese zusammen, darf der Spieler sie aus dem Spiel nehmen und vor sich ablegen. Sind es unterschiedliche Bilder, werden sie wieder an dieselbe Stelle verdeckt abgelegt. Wer am Ende die meisten Paare gefunden hat, gewinnt das Spiel. Das Spiel Memory gibt es seit über 50 Jahren. In dieser Zeit wurden die Karten oft dem Zeitgeist angepasst. Allein Ravensburger veröffentlichte mehr als 250 Versionen des Bilder-Merkspiels. Zurzeit bietet der Verlag 35 verschiede Memory Ausgaben an. Die Themen sind sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gestaltet. Unabhängig davon erschienen viele Adaptionen von Suchspielen in anderen Verlagen oder im Werbebereich. Zwei davon, die ich Ihnen vorstellen möchte, sind thematisch im Ruhrgebiet angesiedelt.
Panne-Mann Der Ruhrpott ist eine wahre Fundgrube für herrlich bildhafte, lustige und boshaft schöne Schimpfworte. Manche sind so berühmt, dass man sie auch außerhalb kennt. Andere sind neu zu entdecken. Bei dieser Version müssen unter 40 Karten je zwei passende Spielkarten aufgedeckt werden, die ein zusammengesetztes Schimpfwort ergeben. Übersetzungen ins Hochdeutsche helfen, sich im Wörterdschungel zurechtzufinden. Auch die farbigen Hintergründe helfen die Übersicht zu behalten. Die Wörter wurden von Michael Schmitz, Roland Pecher und Walter Soiron herausgesucht und gestaltet. Das Spiel ist für 2 bis 6 Spieler ab acht Jahren. Und nun versuchen Sie es mal! Aus folgenden acht Wortteilen sind vier Wörter zu bilden: Hals – Kawenz – Lau – Mann – Schepper - Schrapp - Spinne – Wipp.
Wo isset? Die Döppen auf, dat Gehirn angeschaltet und ab dafür.
Auch in „Wo isset?“ sind nicht nur Bildplättchen zuzuordnen. Auf der einen Hälfte der Karten stehen Ruhrgebietsbegriffe, wie z. B. Brummsumse, Bömskes, Dilldopp oder Bremsklötze, auf der anderen sind die entsprechenden Fotos dazu abgebildet. Daraus versuchen die Spieler ihre Pärchen zu bilden. Da sich nicht jeder mit den Begrifflichkeiten so gut auskennt, sind unter den Fotos die Begriffe auch noch einmal aufgeführt. Das Memospiel für große Leute beinhaltet 50 ruhrige Wort- und Bildpaare.
Und wo es ein Spiel für große Leute gibt, gibt es auch eine Ausgabe für kleine Leute - die Furzknotenedition. Dabei sind auf den 24 Bildkarten-Paaren Tiere und Sehenswürdigkeiten zu sehen. Diese gilt es zusammen zu führen. Da sagen sich Fuchs und Gasometer „Gute Nacht“, Döbel schwimmen durch Kanäle und Seen und Schnecken kriechen über die A 40. Die Maus kauert zu Füßen des Glaselefanten im Maximilianpark, der Dackel wartet vor dem Bergbaumuseum und die Taube umkreist den Förderturm von Zeche Zollverein.
Kindgerecht werden sowohl die Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen des Ruhrgebietes als auch die Tiere dargestellt. Ein kleiner Ausflug in die Welt des Memoryspiels. Als Kinder haben wir alle mal Memory gespielt. Doch was macht den Reiz dieser Memory-Spiele aus? Familien können zusammen spielen, ohne dass sich jemand zurücknehmen muss. Meistens haben Kinder sowieso die besseren Voraussetzungen als Erwachsene. Das spüren sie auch und lädt sie immer wieder zu neuen Partien ein. Die Ursache lässt sich dadurch begründen, dass die Nervenzellen der Kinder durch wesentlich mehr Synapsen verknüpft sind als bei Erwachsenen. Kinder besitzen 200 Billionen davon. Mit dieser ungebändigten Rechenkapazität erfassen sie sämtliche Details der Kärtchen und deren Positionen. Diese Masse an Verbindungen nimmt aber mit den Jahren immer mehr ab. Durch das stetige Lernen weiß unser Gehirn immer besser, mit welchen „Synapsen-Autobahnen“ es am schnellsten vorankommt. Die nicht benötigten werden im Laufe der Jahre immer mehr abgebaut und es wird in eingefahrenen Bahnen gedacht. Dadurch haben Erwachsene deutlich weniger Verbindungen zwischen den Nervenzellen - und achten so leider auch weniger auf Details. Bis vor ein paar Jahren bestand die langläufige Meinung, dass abgebaute Verbindungen und Gehirnzellen verloren sind. Die neusten Untersuchungen lehren uns aber, dass das mensch-liche Gehirn lernfähig ist. Wird es regelmäßig trainiert fällt das Erinnern leichter und wir haben im hohen Alter - und besonders dann ist es wichtig - auch noch etwas davon. Denn auch hier macht die Übung den Meister aus. Schauen Sie sich doch einmal die vorgestellten Spiele an oder holen Sie mal Ihr altes Memory hervor. Spielen Sie es alleine oder mit mehreren und trainieren Sie ihre Gehirnzellen. Lernen Sie Neues! Denn dadurch bilden sich die Nervenzellen in den beanspruchten Bereichen des Hirns nach und es entstehen wieder mehr Verknüpfungen. KH
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