Ehrenmal inspiriert zum Roman:
Andi Rogenhagen und der „Heldensommer“
Das DOPO-Titelbild der Nr. 116 (kopfloses Ehrenmal) ließ ihn Kontakt zur DOPO aufnehmen, hatte doch das Ehrenmal an der Unterstraße ihm den inspirierenden Impuls für seinen ersten Roman mit dem Titel „Heldensommer“ gegeben, der in diesem Jahr im Lübbe-Verlag erschienen ist. Neugierig wie wir sind, vertieften wir den Kontakt. Denn der Filmemacher und Drehbuchautor Andi Rogenhagen wohnt mitten in Langendreer. Unser Gespräch verlegten wir ins BACKHAUS – und was mir der nette junge Mann, Jahrgang 1965, im Laufe etwa einer Stunde so mitteilte, war beeindruckend.
Der Reihe nach: In Pirmasens geboren verlebte er Jugend und Kindheit in Marl, studierte nach dem Abi Fotografie und Filmdesign an der FH Dortmund und besuchte 1996/97 die Drehbuch-Schreibschule in Köln. Er hatte seine berufliche Orientierung gefunden, schrieb seit 1991 Drehbücher und verfilmte sie (Die Menschheit ist nicht zu überbieten, 1991, James System macht Urlaub, 1992). Und dann kam der Knaller: Bei wickipedia lesen wir: „Für seinen Dokumentarfilm „The Final Kick“ ließ er in 40 verschiedenen Ländern gleichzeitig Menschen filmen, wie sie das WM-Finale [der Fußballweltmeisterschaft 1994, d. Red.] im Fernsehen verfolgten und fügte diese Aufnahmen zu einer Dokumentation zusammen. Der Film lief weltweit und wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.“ Wir wissen: Einen renommierteren Preis gibt es in Deutschland nicht in der Film- und Fernsehbranche. Nach kleineren Arbeiten folgte 2002 der erste Spielfilm „Die Frau, die an Dr. Fabian zweifelte“, der 2003 bei ARTE ausgestrahlt wurde. Und jetzt aufgepasst, liebe Leserinnen und Leser: Andi Rogenhagens zweiter Spielfilm kommt am 7. Juli 2011 in die Kinos. Hinter dem Titel „Ein Tick anders“ verbirgt sich eine Familienkomödie um eine junge Frau, die am Tourette-Syndrom leidet, einer Krankheit, „die durch das Auftreten von Tics charakterisiert ist. Bei den Tics handelt es sich um unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschießende und mitunter sehr heftige Bewegungen, die immer wieder in gleicher Weise einzeln oder serienartig auftreten können. Verbale, ungewollte Äußerungen zählen mit dazu sowie Ausrufe oder eigenartige Geräusche“ (wickipedia). Auf Nachfrage erfahre ich, dass das nächste Spielfilm-Projekt läuft. Es handelt sich dabei um eine deutsch-französische Koproduktion, in der es um einen alten, verwirrten Mann geht, der nicht weiß, dass der Zweite Weltkrieg längst vorbei ist. Andi Rogenhagen hofft auf die Fertigstellung des Films spätestens 2014. Und was hat das alles mit dem kopflosen Ehrenmal an der Unterstraße zu tun? Wie oben eingeleitet hat Andi Rogenhagen nun auch seinen ersten fast 400 Seiten langen Roman „Heldensommer“ geschrieben, in dem es hauptsächlich um einen Jungen geht, der aus Rache an seinem Französischlehrer mit einem Kumpel nach Frankreich reist, um da den Kopf eines Widerstandskämpfers (Ehrenmal!) gegen den Betonkopf eines deutschen Wehrmachtssoldaten auszutauschen. Das Buch gibt’s übrigens für 14,99€ zu kaufen und liegt auch als Audio-CD, als Audiobook und als ebook vor. Unter Literaturzeitschrift.de findet sich folgende Bewertung: „Andi Rogenhagen, der aus der Filmbranche und dem Ruhrpott kommt, hat mit seinem „Heldensommer“ ein Stück ganz großes Kino hingelegt, einen wunderbaren Roman nicht nu r über Freundschaft, Pubertät und Erwachsenwerden. Die Protagonisten sind altersbedingt hin- und hergerissen zwischen Größenwahn und Unsicherheit, Blödeleien und verantwortlichem Handeln und eine Achterbahnfahrt der Gefühle gibt es gratis obendrauf. Und ja, sie sind auch Helden, weil sie bei den wichtigen Entscheidungen richtig liegen. Der Autor beeindruckt durch formidablen Wortwitz, die Sprache ist lakonisch humorvoll, bisweilen auch derb schnodderig, doch sie trifft stets den richtigen Ton. Sein rasanter Erzählstil ist überaus fantasievoll und spannend; Langeweile kommt an keiner Stelle auf. Kurzum: Das Buch macht richtig Spaß, klare Leseempfehlung!“ (Andi Rogenhagen, Heldensommer, Bastei Lübbe, April 2011, ISBN-13: 978-3785760499). Unser Langendreerer Autor arbeitet zur Zeit auch an einem neuen Roman, in dem es „im weitesten Sinn um Fußball geht“. Geplanter Erscheinungstermin 2012. Tja, da müssen wir Langendreerer nun ordentlich lesen und den „Tick“-Film ansehen und dürfen uns auf die angesagten neuen Produktionen freuen. Herrn Rogenhagens Privatleben ist wesentlich bestimmt durch die beiden Kinder, die in Langendreer zur Schule gehen. Aber die Trennung von privat und beruflich ist bei solchen Kulturmenschen offensichtlich kaum klar vornehmbar. Nach seinen Äußerungen holt sich der Filmemacher und Autor seine beruflichen Anregungen und Themen auch beim Einkauf im Supermarkt: „Jeder hat seine Geschichten, wenn man mal genau hinhört. Mich interessieren Zusammenhänge.“ Und die Inspiration zum „Heldensommer“ kam Andi Rogenhagen, als er im Auto mit seinen Kindern auf dem Weg zur Schule war und mal wieder das Ehrenmal an der Unterstraße passierte. Übrigens fliegt unser seit 1998 in Bochum und seit 2008 in Langendreer wohnende Familienvater am 10. Juni mit seiner Filmcrew nach Shanghai zum Internationalen Shanghaier Fimfest, wo 16 (!) Filme aus aller Welt zur Jury-Bewertung anstehen. Sie wurden aus 3500 (!) Bewerbungen ausgesucht. Wenn diese DOPO erscheint, wissen wir mehr über das Ergebnis. Heute (3.6.2011) wünschen wir Andi Rogenhagen natürlich viel Glück und danken für das Gespräch. pawimö
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