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„Die Zeit ist das Wichtigste beim Kochen.“

Zu Besuch im Restaurant „Zum Koch“ in Langendreer

Dass die DORFPOSTILLE gerne Menschen unterstützt, die in Langendreer Positives auf die Beine stellen wollen, ist hinlänglich bekannt. Das gilt auch für Neueröffnungen im Bereich der Gastronomie – und so ist es natürlich nicht verwunderlich, wenn wir an dieser Stelle „Zum Koch“ bekannt machen, das Restaurant im grünen Zentrum Langendreers mit der Adresse Unterstr. 98d. Man erreicht es einerseits über eine Zufahrt direkt an der Total-Tankstelle am Sportplatz vom ESV Langendreer, aber auch vom Neggenborn aus – denn es liegt in der Anlage des „Kleingartenvereins Am Neggenborn“ und trug früher den bezeichnenden Namen „Gartenstübchen“.Das Anwesen ist allerdings alles andere als ein „Stübchen“: koch1Mit vorgelagertem Biergarten erwartet den Gast eine Schankstube mit Theke und Aufenthaltsbereich und ein frisch-farbig restaurierter Saal, in dem locker 100 Leute ihre Feiern und Feste veranstalten können – und das vor einem riesigen Wandbild, das 1979 der Opel-Meister H.J. Hauke an die Wand pinselte: eine idyllische Voralpenlandschaft.
Den passenden Rahmen verpasste der neue Pächter dem Gemälde im Zuge der Renovierungsarbeiten – und jetzt sind wir auch schon bei dem Hauptakteur der Szenerie: Marc Näffgen, 37 Jahre alt, gebürtiger Ruhri aus Gladbeck, jetzt wohnend in Dortmund – mit seiner Freundin aus Langendreer.
Sie war es auch, die ihm den Tipp gab, doch das ehemalige „Gartenstübchen“ in Langendreer zu übernehmen und seine Anstellung in der „Alten Mühle“ in Herne-Börnig aufzugeben – die Selbstständigkeit zu wagen.
Und Marc Näffgen hat schon Einiges gewagt, was unser fast einstündiges Gespräch beim Besuch offenbarte und was in dieser Ausführlichkeit eigentlich nicht geplant war.
Verbrachte er seine Kindheit und Jugendjahre in Gladbeck, absolvierte er da auch seinen qualifizierten Hauptschulabschluss, so tat er sich danach in der Musikszene um, spielte in verschiedenen Bands Gitarre, Schlagzeug und Bass in den Kategorien Metal, Punk und auch Jazz, schraubte an Motorrädern und eignete sich eine ausgeprägte PC-Kompetenz in Hardware, Software und Netzwerkadministration an.
Als er sich 1999 entschloss, die Fachoberschulreife am Westfalen-Kolleg in Dortmund nachzuholen, bekam dieser Lebenslauf der originellen Art eine neue Wendung: Hatte er bereits hobbymäßig kochend in der Kolleg-Cafeteria häufiger Hand angelegt, so folgte er dem Kollegenhinweis, in den Dortmunder Restaurants „Trödler“ und „Einstein“ eine Koch-Stelle zu bekleiden. Marc Näffgen sagte zu – und war ein halbes Jahr später Küchenchef. In der „Scheinheiligen Nacht“( vom 23. zum 24. Dezember) im Jahre 2003 schließlich – „der Laden war voll“ – erreicht ihn gegen 0 Uhr ein Anruf aus Ibiza: Dort werde im Cafe Sidney ein Koch gesucht. Marc Näffgen packte seine sieben Sachen – und verbrachte die nächsten Monate auf Ibiza – begierig die traditionelle spanische Küche lernend. Eine Krankheit löste die Rückkehr nach Dortmund aus, wo er die nächsten Jahre in verschiedenen Restaurants seine Kochkünste weiter ausbildete („Limette“, „Meilenstein“, „Cote de soleil“, „Pinis“,“Speak easy“).
koch2Es folgte ein Ruf nach Wien ins spanische Restaurant „Casa Ramon“, er wurde „Chef de partie“ im 4-Sterne-Hotel „Cala Pada“ wieder auf Ibiza und dann ein erneuter Anruf im Herbst 2007: „Hier wird ein Koch gesucht!“. Der Anruf kam aus Neuseeland („Ich habe mich nie beworben – ich wurde immer angefragt.“) – und bald kochte Herr Näffgen im spanischen Restaurant „Bolero“ in Albany/Neuseeland – und lernte traditionelle Speisen vor Ort kennen („Das meiste lerne ich von Omas in den Ländern. Die kennen alte Rezepte, ihre Herkunft, wie Speisen früher zubereitet wurden – ohne Krupps-Dreimix. Schön mit der Hand und mit viel Zeit. Die Zeit ist das Wichtigste beim Kochen. Meine Tomatensauce braucht 8 Stunden, bis sie fertig ist. Dann ist sie wirklich gut.“).
Und dann ist London am Telefon. In einer Sterne-Küche sucht man einen zweiten Küchenchef. Das wäre eine nächste Sprosse auf der Koch-Leiter. Aber dann: Ein Beinahe-Flugzeugabsturz in Hongkong auf dem Weg nach London. „Das hat mich so fertig gemacht, dass ich fast eineinhalb Jahre kaum einsatzfähig war.“ Also zurück nach Deutschland, wo er vorübergehend in einer Motorradwerkstatt schraubte und etwas Catering machte. Schließlich ging’s wieder besser – und er übernahm für ein halbes Jahr die Küche im Restaurant „Zur Alten Mühle“ in Herne – bis seine Langendreerer Freundin ihm den Tipp siehe oben gab.
Und jetzt kocht Marc Näffgen in seinem neu eröffneten Restaurant „Zum Koch“ in Langendreer. „Cross over-Küche“ nennt er seine Kochkunst: „Ich kann und mache alles nach meinem Stil, was ich langjährig gelernt habe.“ Und Zeit muss man haben als Gast, „denn hier gibt’s beste Qualität an Fleisch, an frischem Gemüse, an Salaten und Kräutern“ – und ein Blick in die Speisenkarte verrät z.B. folgende Angebote: „Carpacchio mit Rukola, einer Parmesanwolke und bestem Olivenöl“(7,40€), „Geschmorte Chorizo in Rotwein und Sherry“, „Mangoldsalat mit sautierten Speck-Pfifferlingen“(8,90€), „Geschnetzeltes Estragonhähnchen mit Zucchini und Champignons in Estragonsoße, dazu Tilda Basmati-Reis aus der Timbale und Salat“(12,50€) und „Rumpsteak (250g) ‚Surf & Turf‘ mit gebratenen Garnelen und Salat“(15,20€), aber auch diverse Schnitzelgerichte, vegetarische Speisen und „Sülze mit Bratkartoffeln“(7,60€) – „aber selbst gemachte Sülze!“ betont der Koch.
Schließlich erfahre ich noch so nebenbei, dass Marc Näffgen 2006 zweimal im WDR als Fernsehkoch auftauchte, dass er zwischendurch als Brigadekoch auf der Frankfurter Messe tätig war – und dass er gern zu Firmen- und Restauranteröffnungen geladen wird, auch Eventplanungen vornimmt, Catering („bis 400 Personen“) und Homecooking anbietet, ja auch Kochunterricht erteilt.
Dass er als externer Prüfling 2006 vor der IHK-Dortmund den Gesellenbrief als Koch erlangte, soll „der Vollständigkeit halber“ nicht unerwähnt bleiben.
Jetzt sollte der durch diese ausführliche Würdigung aufgeschreckte Langendreerer mit Gefährtin aber dem Koch Näffgen auf die Bude rücken und die Speisen kosten, die dieser Weltenbummler uns zubereitet:
koch3Öffnungszeiten im Winter – außer dienstags – Mo. Bis Sa. ab 15 Uhr, So. ab 10 Uhr bis jeweils 22 Uhr. Telefon 0234/96299550, email Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .
Die DOPO wünscht ihren Leserinnen und Lesern guten Appetit und Herrn Näffgen viel Glück und Erfolg in Langendreer.                               
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