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„Ach, Norbert!“

Verliert Langendreer seinen „Zwischenfall“?

zwischenfall1„Der Zwischenfall brennt“, bemerkte mein Sitznachbar eher trocken und lakonisch in die Runde, seinen Blick ungläubig auf sein iPhone gerichtet. Es war 19.50 Uhr am 18. August im Clubhaus von Langendreer 04. Unsere kleine Versammlung beratschlagte die Zukunft Langendreers. „Vom Blitz getroffen?“, „Ein Anschlag von Rechts?“ wurde gemutmaßt. Ratlose Gesichter, betroffenes Schweigen. Dann verdichteten sich die Nachrichten. Und spätabends schien die Sachlage klar: Ein Brand hatte die oberen zwei Geschosse des Gebäudes Alte Bahnhofstr. 214 verwüstet, in dessen unteren Etagen der „Zwischenfall“ befindet – unser „Zwischenfall“ oder „das Fall“, wie Insider Langendreers berühmtesten Club auch nennen.
Glücklicherweise „nur“ Sachschaden – aber was für einer! Alle Bewohner mussten evakuiert werden, der Gebäudekomplex wurde abgesperrt wegen Einsturzgefahr. Bis heute ist noch nicht raus, wie genau der Brand enstanden ist und was mit dem Gebäude wird.
Und was wird aus dem „Zwischenfall“?
Er lebt – nicht in seinem Stammhaus, aber im „Bahnhof“, im „Wageni“ , in der „Matrix“, in der „Werkstatt“ in Witten, im „Glaspalast“ in Wuppertal und im „Stadtteilzentrum Pluto“ in Herne. Überall da finden zur Zeit die Konzerte und andere Events statt, die eigentlich an der Alten Bahnhofstraße 214 laufen sollten – jetzt als „Soli-Konzert“, als „Zwischenfall supporter-night“, als „Benefiz-Festival“ und „Solidaritäts-Gelärme“ veranstaltet werden.
Die Welle der Solidarität ist riesig – ein kleiner Trost für Inhaber und Betreiber des „Zwischenfall“ Norbert Kurtz, dessen Lebenswerk auf der Kippe steht.

zwischenfall5Ach, Norbert!
Vor 6 Jahren hast du noch den zwanzigjährigen Geburtstag des „Fall“ gefeiert und 2007 die 40 Jahre „Big Aple“/“Appel“/“Zwischenfall“ mit sagenhaften Oldie Nights und Hunderten Gästen, die z.T. bereits in den Sechzigern ihre Musik am Alten Bahnhof hören wollten, mit all denen, die die bewegte Geschichte deines Clubs miterlebt und manchmal auch miterlitten haben, aber auch mit denen, die zur Zeit von Kurt Apel und seinem „Bürgerhaus“, jener „Schankwirtschaft mit Diskothekbetrieb“, 1962 noch gar nicht auf der Welt waren.
Warst du selber zunächst nur begeisterter Besucher, so hast du bereits in den späten 70ern noch für Kurts „Big Aple“ gearbeitet, dann als Geschäftsführer des „Appel“ und seit 1985 als Inhaber des „Zwischenfall“ die Geschichte dieser Institution, dieser „bundesweit beliebten Rock-Disco“ (Eberhard Franken, WAZ), dieses „wichtigsten Gothic-Clubs Deutschlands“ (Ruhr-Nachrichten), dieses „Fixpunktes der Subkultur“ (Boebers-Süßmann, WAZ) geschrieben.
zwischenfall4Und der Berliner Thomas Thyssen, leitender Redakteur des Szeneblatts „Gothic Magazine“ und dann und wann auch Plattenauflger im „Fall“ wird in den Ruhr-Nachrichten mit folgender Bemerkung zu deinem Club zitiert: „Der Laden hat einen europaweiten Ruf. Selbst in Los Angeles bin ich schon auf den Zwischenfall angesprochen worden von Bands, die da auftreten wollten.“

Tja, Norbert,
du hast mit deinem „Laden“ nicht nur ein dickes Ausrufezeichen neben dem kulturellen Mainstream gesetzt und damit unendlich vielen Leuten mit nahezu 3000 Konzerten ihr freizeitliches Leben bereichert, sondern hast Musikgruppen der Punk-, der Wave-, der Black-metal- und der Indie-Szene erste öffentliche Auftritte ermöglicht, die diese bekannt, ja häufig sogar berühmt gemacht haben.

Und du hast mit deinen Getreuen um deinen „Zwischenfall“ gekämpft. Ich erinnere mich an jene denkwürdige Sitzung der Bezirksvertretung-Ost im Jahre 1989, als wir nicht nur gegen den Auftritt des ersten Republikaners im Bezirksparlament protetiert haben, sondern auch gegen die von der Stadt Bochum damals angeordnete Sperrzeitverkürzung für den „Zwischenfall“, die an die Existenz deines Clubs ging –
und zwei Monate später glücklicherweise wieder aufgehoben wurde.

Ach, Norbert!
Ich werde auch nicht jene Telefongespräche vergessen, die ich geführt habe, um von dir die genaue Schreibweise jener Gruppen zu erfahren, für die wir in der DORFPOSTILLE Werbung machen sollten in der Zwischenfall-Anzeige. Du hattest mir die Namen handschriftlich mitgeteilt – jene Sixth Comm, Maelstrom, Asmus Tietchens, X Marks the Pedwalk und Cybernoiderotic Dance, Morthound oder No FX. Hoffentlich habe ich sie jetzt richtig geschrieben. Ich bin ja eher ein Freund der rockigen Beschallung.
zwischenfall2Ach, Norbert!
Das alles soll jetzt vorbei sein? Hoffen wir mal nicht!
Wir von der DORFPOSTILLE und mit uns alle Freunde des „Zwischenfalls“ wünschen deinem Club die Wiederauferstehung – am besten in Langendreer oder wenigstens in der Nähe.
Viel Glück!
Die hier veröffentlichten Veranstaltungshinsweise schenken wir dir.
Unser kleiner Soli-Beitrag!         pawimö