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Nachdenkliches und Besinnliches zur Zeit


Auch unser Langendreerer Bezirkspolizist Karl Heinz Schuran stellt der DOPO seit einigen Jahren Texte zur Verfügung – Gedichte, Gedanken, kleine Geschichten. Wir bedanken uns wieder für die Möglichkeit der Veröffentlichung.

Der Schutzmann auf Streife

In der Vorweihnachtszeit durchstreift der Schutzmann Karl Schuran besonders gern das Wunderland in seinem Bezirk in Langendreer. Auf wundersame Weise entwickelt sich dann aus ihm ein Gedicht und eine Zeichnung, den Menschen zur Freude und ein wenig zum Nachdenken - diesmal über den Zufall. Der Schutzmann hat festgestellt, dass seine ‚zufälligen’ Begegnungen mit  Menschen, mit den alltäglichen oder besonderen Lebens- und Verkehrssituationen, mit den freudigen oder schmerzlichen Ereignissen oft Wundervolles beinhalten - zunächst verborgen.

Hier wirkt ein Knöllchen Wunder - dort Trotz, Ärger, Uneinsicht. Hier hat ein Gespräch mit den großen und kleinen Bürgern wunderbar freundliche und nachhaltige Wirkungen, z.B. für die Sicherheit im Straßenverkehr - dort ist weiterhin Hetze, bewusster Verstoß, Unaufmerksamkeit, Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit, Ausrede und wenig Einsicht. Die Menschen sind unterschiedlich bereit für Regeln, Veränderung, Neues, Einleuchtendes. Manche brausen auf, weil sie das Gefühl haben, belehrt zu werden.
Jeder hat seine Lebensgeschichte mit ihren prägenden Auswirkungen aus allen Begegnungen seit der Kindheit.

Zurück zum Zufall. Viele Begegnungen verschwinden - besonders für den Vernunft- und Verstandesmenschen, auch für den Schlafenden oder Gestressten  - im Zufall. Zufällig Glück oder Pech gehabt! Beim Zusammentreffen oder -fallen von Ungewöhnlichem bezieht man sich gern auf das Oberflächliche, obwohl das ‚Unterflächliche’ vielleicht der Wahrheit viel näher kommt. Doch was soll das sein, wofür es keine rechten Worte oder Begriffe gibt, was unter der Oberfläche ist und wirkt, was unsichtbar scheint?
In jedem Augenblick hat unser Geist die Möglichkeit, den gegenwärtigen Moment zu betrachten, bereit sich auf ihn einzustimmen und über das Unfassbare zu sinnen, zu staunen - in der Natur, im Ereignis, in der Begegnung…

Vielleicht kommt es zu einer Eingebung, einer Idee, einer Anregung, vielleicht zu einem Treffen, einer Entwicklung, die man eventuell Fügung nennt. Wer, wie oder was fügt aber und warum? Wo sind die Beweise?
Eigentlich ganz einfach. Die Beweise sind in jedem einzelnen Menschen. Er muss nur seine Antworten finden, vom Nichtwissen oder Wissen zum Vertrauen und Glauben - und wieder zurück zur inneren Gewissheit. Klingt verzwickt.

Wir banalisieren, überspielen, tun ab - oder stutzen. Es gibt unzählige Beispiele für ein seltsames Zusammenspiel oder Zusammenfallen der Ereignisse, die uns einen Hauch vermitteln können, dass möglicherweise alles mit allem zusammengehört.
Vielleicht ahnen wir manchmal auch etwas, das dann eintrifft. Manches könnte wie ein kleines oder großes Wunder vorkommen und wird schlicht Zufall genannt - als Erklärung des vielleicht Unerklärlichen.
Wenn mir etwas zufällt, dann ist es - wie das Wort sagt - auf mich gerichtet, wird oder soll mich treffen, berühren, bewegen. Und wenn etwas fällt, dann muss es von oben, von einer höheren Ebene kommen oder sein.
Der Zufallsdenker wischt das Besondere, Zauberhafte, Unaussprechliche weg. Seine Haltung im Zufall regt nicht zum Nachsinnen an. Für den Zufall ist das Unerklärliche sinnlos, keine Frage, Aufgabe, Anregung. Erledigt, obwohl sich vielleicht etwas Notwendiges verbirgt, das einen Wandel, eine Wende hervorrufen -  Not wenden könnte.

Der Wundergläubige geht weiter, tiefer, in den Bauch, ins Herz, in den Geist - und öffnet sich gelassen dem Unsichtbaren, der inneren Stimme.
Und vielleicht wird aus dieser Hinwendung zum (innerlich) Höheren mit der Zeit Gewissheit, auf seinem Weg zu sein, einem geführten Weg - wie es auch dem Schutzmann beim Streifengang oft geschieht.
Zur Weihnachtszeit scheinen viele Menschen auf ihrem Weg zu sein - für Wunder empfänglich, das Band des Herzens in der Hand. Wunder-schön.

Der Schutzmann wünscht allen eine schöne Adventszeit, ein fröhliches Weihnachtsfest und ein gesegnetes Neues Jahr - und dass Ihr Geist für alle Wunder offen sein möge!

Im Zufall

Im Zufall birgt der Himmel Wunder,
Die Engel fügen die Notwendigkeit
Und bringen unerwartet in die Zeit,
Was hilfreich, lehrreich
und gesunder.

Was sich begegnen soll
im guten Sinn,
Trifft plötzlich sich -
mit offnem Ende -
Für das Ereignis und die Wende,
Der Seele möglichen Gewinn.

Mit freiem Willen und Verstand
Kann man ein Wunder nicht erfassen.
Es wirkt aus einem weisen Land
In dem bereiten Geist gelassen:

Das Band der Liebe in der Hand -
Sich von dem Glauben führen lassen,
Durch dunkle und durch
helle Gassen,
Auf seinem Weg - der Gott bekannt.

(K.-H. Schuran / 2010)