PDF Drucken E-Mail
Buchtipp:

Leichen im Keller

Leichen_im_KellerWas sich anhört, wie der Titel eines Krimis, und sich liest, wie ein spannender Krimi, ist leider keiner, sondern ein Stück deutscher Wirklichkeit im 21. Jahrhundert.
Die Leichen im Keller, von denen erzählt wird, haben in erster Linie das Verteidigungsministerium und das Außenministerium. Deren Leichen werden durch den  Redakteur des ARD-Magazins FAKT, Markus Frenzel, vorgestellt.
Das Buch führt uns in fünf Kapiteln in fünf Länder dieser Erde: Demokratische Republik Kongo, Guinea, Usbekistan, Ruanda und Äthiopien.  Aus diesen Ländern berichtet der Autor viele interessante Begebenheiten, so dass sich seinen Leserinnen und Lesern aufschlussreiche Einblicke in die jüngere Geschichte  erschließen. In jedem Kapitel geht Markus Frenzel der Frage nach, wodurch die „Leichen“ in die Keller der Bundesrepublik gelangen und findet fünf  Schwerpunkte: deutsche Schlamperei, deutsche Verantwortungslosigkeit, deutsche Realpolitik, deutsche Naivität und deutscher Egoismus.
Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen, so dass eilige LeserInnen auch einzelne Kapitel lesen können, je nachdem, an welchem Land sie besonderes Interesse haben.
Folgt man jedoch dem gesamten Text, so begegnet uns als erstes Ignace Murwanashyaka, der seit 1989 in Deutschland lebt, hier studiert und promoviert, Asyl gewährt bekommt, eine Familie gründet und viele Jahre von Deutschland aus mit Handy, Satellitentelefon und per Internet die mordenden Hutu-Milizen der FDLR befehligt.
Diese FDLR-Milizen sind 1994 nach der Verübung des Völkermordes an den Tutsi aus Ruanda vertrieben worden. Im benachbarten Kongo fanden sie als Flüchtlinge Aufnahme. Aber das Morden setzten sie dort fort, nun an der Tutsi - Bevölkerung des Kongo, später als Unterstützer des kongolesischen Diktators, danach völlig eigenständig und beuten die Bodenschätze des Ostkongo zur Finanzierung ihres Krieges aus. Alles dirigiert und befehligt aus Deutschland.
Als Nächstes lernen wir einen Diktator „made in Germany“ kennen. Er kommt aus Guinea und erlernt an den Militärhochschulen in Hamburg und Dresden das militärische Handwerk. Guinea ist schon bald nach seiner Unabhängigkeit unter Führung von Sékou Touré, einem der bedeutendsten Männer Afrikas nach Beendigung des Kolonialismus, zu einer Diktatur verkommen und seitdem von Militärführern beherrscht worden. Mit diesem System, das seit über 50 Jahren die Menschenrechte grob missachtet und Mord und Totschlag verübt, hat Deutschland seit 1965 eine Militärpartnerschaft. Genauer: Deutschland bildet das militärische Spitzenpersonal Guineas aus. Auf Nachfrage erklären deutsche Militärs der entsprechenden Hochschulen, dass man diesen Soldaten Demokratie vermitteln möchte. Aber das Ergebnis ist erschreckend: Der durch einen Militärputsch an die Macht gekommene Dadis Camara berichtet, dass er Deutschland alles verdankt, was aus ihm geworden ist: ein rücksichtsloser, brutaler Militärherrscher.
2010 strahlt das ARD-Magazin FAKT einen Beitrag über die Diktatur in Guinea aus und weist den Militärs, an ihrer Spitze Dadis Camara, Menschenrechtsverletzungen und blutige Massaker nach. Dennoch werden in Deutschland weiter Soldaten aus Guinea ausgebildet. Auf die Auswahl  der Soldaten nimmt die Bundeswehr oder das Verteidigungsministerium keinerlei Einfluss. Diese überlassen sie vielmehr dem jeweiligen Diktator oder seinen Beauftragten.
Die nächste Beispielreise führt uns nach Usbekistan und zum dortigen Diktator Karimow. Es besteht weltweit Einigkeit darüber, dass es sich beim Herrschaftssystem in Usbekistan um eine der „schlimmsten Diktaturen auf dem Planeten“ handelt. Dennoch erklärt das Außenministerium auf seiner Homepage, dass Deutschland und Usbekistan seit der „Unabhängigkeit des Landes enge und vertrauensvolle Beziehungen“ unterhalten.
Dass dieser demonstrativen  Unterstützung Usbekistans keine Unkenntnis zu Grunde liegt, sondern „eiskalte Interessenpolitik“, begründet der Autor mit dem deutschen Militärstützpunkt in Usbekistan für den Afghanistaneinsatz, den riesigen Gasvorkommen und der  preiswerten Baumwolle. Diese ist so günstig auf dem Weltmarkt zu haben, weil etwa 2,5 Millionen Kinder jährlich zur Baumwollernte auf den Plantagen gezwungen werden. Außerdem gilt Usbekistan für die deutsche Industrie als bedeutender Zukunftsmarkt.
Vor diesem Hintergrund ist die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ durch nichts  zu erschüttern, auch nicht durch ein Massaker an der unzufriedenen Bevölkerung im Mai 2005. Die EU beschließt zwar ein Waffenembargo und Einreiseverbote für die Hauptverantwortlichen des Massakers. Aber kurz nach diesen Beschlüssen wird unter großer Geheimhaltung der für das Massaker verantwortliche usbekische Innenminister Almatow in Deutschland operiert und stationär behandelt. Er kann auch heimlich wieder ausreisen. Auf Druck Deutschlands wird 2009 sogar das Waffenembargo wieder aufgehoben, obwohl kein Regierungswechsel oder ein politischer Meinungswandel in Usbekistan stattgefunden hat.
Leider ist das Buch noch nicht zu Ende. Es folgt eine weitere ‚Leiche’. Schauplatz ist Ruanda zur Zeit des Völkermordes. Der Hauptakteur heißt Callixte Mbarushimana und ist IT- Spezialist und Mitarbeiter der UN in  Ruanda. Aber in den Wirren des Jahres 1994 wird er Hutu-Führer auf mittlerer
Ebene beim Völkermord an den Tutsis. Er hat eine eigene Todesliste, die er ‚abarbeitet’. Dafür gibt es Zeugenaussagen, die vor UN- Ermittlern berichtet haben.
Dennoch wird Mbarushimana nach dem Völkermord wieder durch die  Weltorganisation beschäftigt, nachweislich in Angola und im Kosovo. Von Interpol gesucht, wird er 2008 in Deutschland verhaftet. Nach drei Monaten jedoch wieder frei gelassen, weil der internationale Haftbefehl dem Generalstaatsanwalt in Frankfurt nicht ausreichte. Allerdings stellt die Generalstaatsanwaltschaft keine eigenen Recherchen an. Dabei wäre alles so einfach gewesen, weil die Zeugenaussagen schriftlich bei der Weltorganisation vorliegen.
Das fünfte und letzte Beispiel berichtet von deutscher Außen- und Entwicklungspolitik in Äthiopien.
Im Jahre 2008 gewährt Deutschland Äthiopien 96 Millionen Euro Entwicklungshilfe für die Jahre bis 2011. Deklariert wird diese Hilfe mit dem in vorderster Linie zu bekämpfenden Hunger in der Region. Unterschlagen wird, dass in Äthiopien eine Diktatur besteht und der Diktator Meles Zenawi im eigenen Land Angst und Schrecken durch sein Militär verbreitet. Nahrungsmittelhilfe erhält nur, wer sich wohl verhält und nicht gegen die Diktatur aufbegehrt.
 Im benachbarten Somalia führt Äthiopien Krieg. Die Soldaten gehen dort grausam gegen die Bevölkerung vor und begehen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das alles ist so unbekannt nicht! Human Rights Watch hat die Verhältnisse in Äthiopien untersucht und dokumentiert „einen flächendeckenden und systematischen Missbrauch der Gelder aus Europa und den USA.“ Einer der wichtigsten Finanziers dieses Gewaltregimes ist Deutschland!

Mit diesem höchst bedauerlichen Ergebnis endet das Buch und damit die Entdeckungsreise zu den „Leichen im Keller“.
Markus Frenzel, Leichen im Keller;
München 2011
Rolf Schubeius
Hier das Programm des Männerkreises der Ev. Kirchengemeinde, Bezirk Langendreer-Holz, der sich jeden Donnerstagabend um 19 Uhr im Veranstaltungsbereich der Pauluskirche trifft. Kontaktmann ist Dietmar Schmidthaus (Tel. 0234/284038). Neue Männer sind herzlich willkommen.

12.1.2012    Bochumer Sporthistorie: Ottokar Wüst (Ref. E.Steden)
19.1.    Geschichte des Ruhrgebiets (Ref. R.Koch)
26.1.    Unsere Rechte im Alltag: BGB (Ref. J.Czwickla)
2.2.    Ungarn – Ein Land auf dem Weg in die EU (Ref. R.Höffgen)
9.2.    Die zehn Gebote – Auslegungen und Erklärungen (Ref. Dr. P. Mommer)
16.2.    Lebensbilanz – Gedanken aus Psalm 71 (Ref. W.Geldmacher)
23.2.    Landespolitik NRW ( Ref. C.Gödecke, MdL) (auch Frauen sind willkommen)
1.3.    Probleme mit Hüfte und Knie (Ref. Prof. Dr. Viebahn) (auch Frauen sind willkommen)
8.3.    Jahreshauptversammlung der Mitglieder mit kleinem Imbiss/Neuwahlen
15.3.    Hinduismus in Indien (Ref. E.Rieks)
22.3.    Alaska, Teil 1 (Ref. H.G. Eschert)
29.3.    Ostpreußen (Ref. G. Bielefeld)