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Lilli und Tigor

kinder1Lilli steht ungeduldig am Fenster. Heute kommen Tante Sonja und Tigor zu Besuch.  Als sie die beiden um die Ecke biegen sieht, flitzt sie zur Tür. Hier in Langendreer ist es sehr schön, findet Lilli und das Beste daran ist, dass ihr Cousin auch in der Nähe wohnt.
Ihren Kuchen futtern die zwei ganz schnell auf, denn die Sonne scheint und lockt sie auf den Spielplatz am Langendreerer Amt.  „Viel Spaß und macht euch nicht ganz so doll schmutzig wie beim letzten Mal!“, sagt Mama lachend, „und bringt nicht wieder den halben Sandkasten mit!“ Heute ist nicht ganz so viel los,  auf den Klettergerüsten toben einige Kinder, die Lilli aus der Kirchschule kennt, und an der Sandkiste sitzen nur zwei Mütter mit ihren Babys.
Deshalb beschließen Lilli und Tigor heute mal eine große Burg zu bauen, mit allem Drum-und-Dran. Während die zwei ordentlich buddeln und den Sand auf einen großen Haufen werfen, erzählt Lilli ihrem Cousin von ihrem Schulausflug in den Volkspark. Sie haben Blätter und Kastanien gesammelt und zum Schluss hat die ganze Klasse Minigolf gespielt. Lilli ist sogar Dritte geworden.
Plötzlich hat Tigor etwas Glattes, Braunes auf seiner Schaufel. „Hier guck mal!“, sagt er. Lilli nimmt das Ding in die Hand. „Boah! Ein Portemonnaie!“, staunt sie und macht es dann ganz vorsichtig auf.
Im Portemonnaie sind jede Menge Sachen. Ein paar Geldscheine, ein bisschen Kleingeld, viele kleine Karten und ein Ausweis ist auch drin. Tigor zieht ihn neugierig heraus: „Karin Weber“ steht da drauf. Die sieht nett aus, denkt Lilli, als sie sich das Foto anguckt, und dann überlegt sie, woher sie die Frau kennt. Irgendwo hat sie die schon mal gesehen. Nur wo? Sie überlegt und überlegt und da sagt Tigor plötzlich: „Mensch, das ist doch die Frau aus der Stadtbücherei, die immer weiß, wo alles ist!“ Stimmt, er hat Recht. Diese Frau Weber arbeitet hier in Langendreer in der Bücherei. Lilli und Tigor gehen nachmittags oft dorthin, besonders gern, seitdem die Kinderbücherei umgebaut worden ist. Da kann man stundenlang Bücher angucken, ohne dass einem langweilig wird. Und gemütlich ist es auch noch.
„Aber wie kommt denn Frau Webers Portemonnaie hier in den Sandkasten?“, fragt Lilli. „Ich glaube, das Beste ist, wenn wir meine Mama mal fragen, was wir machen sollen!“, schlägt sie vor und steht auf.
Sie schütteln sich den Sand aus den Hosen und  stapfen dann die Alte Bahnhofstraße hinunter, am Supermarkt vorbei und am Eiscafé entlang. Am Schaufenster der Buchhandlung  bleiben sie kurz stehen, weil Lilli ein interessantes Buch entdeckt hat.  Sie gehen an der Metzgerei und am Fahrradladen vorbei zu Lillis Wohnung.  Zuhause angekommen schaut sich Mama das Portemonnaie genau an und Tante Sonja meint, sie könnten im Telefonbuch nachgucken, ob die Nummer von Frau Weber drin steht. „Das ist erst einmal besser, als einfach vorbei zu gehen, auch wenn sie sich wahrscheinlich freuen wird!“, erklärt Mama, während Tante Sonja im Telefonbuch sucht. „Ich mache das am besten mal mit dem Anruf“, schlägt Mama vor. Sie wählt die Nummer und wartet kurz, dann hebt jemand ab und Mama sagt: „Guten Tag, Kirschbaum mein Name. Ist es möglich, dass Sie ein Portemonnaie vermissen? Ja? Das ist ja prima. Meine Tochter und mein Neffe haben es dann gerade wohl auf dem Spielplatz gefunden!“ Dann sagt Frau Weber wohl etwas, denn nun nickt Mama nur, sagt zweimal „Aha!... Aha!..“ und dann „So..so! Ja, das kann schon mal passieren, da haben Sie Recht.“ Dann hört sie noch mal lange zu und sagt dann: „In Ordnung, dann schicke ich die Kinder jetzt vorbei. Bitte, bitte, gern geschehen!“, und dann legt sie auf.
kinder2„Da hat sich aber jemand gefreut“, lächelt Mama, „Frau Weber war heute morgen mit ihrem Nachbarskind auf dem Spielplatz und dann hat sie plötzlich einen wichtigen Anruf bekommen und sie mussten ganz schnell weg. In der Hektik hat sie gar nicht bemerkt, dass ihr das Portemonnaie aus der Tasche gefallen ist. Und nun möchte sie es natürlich gern schnell wieder haben. Sie wohnt genau hinter der Post und wartet schon auf euch. Also, wacker wieder anziehen und raus!“, fordert Mama die Kinder auf und klatscht zweimal aufmunternd in die Hände. „Wir sind stolz auf euch!“, sagt Tante Sonja noch und winkt ihnen hinterher.
Lilli und Tigor sind ganz schön aufgeregt, als sie bei Frau Weber klingeln. „Hier, bitte schön, Ihr Portemonnaie!“, sagt Lilli schüchtern, als die Tür aufgemacht wird, und streckt es Frau Weber entgegen. Die schaut die Kinder nur glücklich an und schüttelt den beiden kräftig die Hände.
Lilli und Tigor sind auch sehr glücklich, als sie wieder nach Hause gehen. Sie haben nicht nur jemandem eine große Freude gemacht, sondern jeder hat auch noch fünf Euro Finderlohn bekommen. Ja, ja...Ehrlichkeit zahlt sich am Ende immer aus. Stimmt‘s?
Ulrike Ostroske


Aufruf

Liebe Kinder, liebe Eltern, liebe DoPo-Leser!
Habt Ihr auch schon mal etwas gefunden? Vielleicht sogar etwas ganz Außergewöhnliches?
Dann schreibt uns das doch. Die schönste Geschichte und die interessantesten Funde werden in der nächsten Ausgabe der DoPo abgedruckt.
Fundgeschichten bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder per Post an die Redaktion.


Mach dich schlau mit der Dorfpostille

Was muss ich beachten, wenn ich mal etwas finde, zum Beispiel ein Portemonnaie oder einen Schlüsselbund?

1.    Du bist bitte ehrlich und sagst es auf alle Fälle deinen Eltern.

2.    Dann bringst du deinen Fund am besten mit deinen Eltern zum Fundbüro. In Langendreer ist das Fundbüro im Bürgerbüro des Langendreer Amtes.

3.    Du kannst den Fund auch bei der Polizei in der Dördelstraße abgeben. Diese leitet die Fundsache aber auch an das Bürgerbüro weiter.

4.    Wenn du ein Fahrrad findest, dann kannst du bzw. können deine Eltern das auch selbst aufbewahren, bis sich der Besitzer findet. Ihr müsst den Fund allerdings unbedingt bei der Polizei melden und sagen, dass ihr das Fahrrad ordentlich bei euch zuhause aufbewahrt.

Was passiert, wenn ich etwas abgegeben habe, sich aber niemand meldet, der es verloren hat, zum Beispiel ein Fahrrad?
Wenn sechs Monate vergangen sind und niemand auftaucht, dem das Fahrrad gehört, dann kannst du oder können deine Eltern es als dein Eigentum erwerben. Allerdings muss man sich innerhalb von vier Wochen nach Ablauf dieser „Aufbewahrungsfrist“ unaufgefordert melden. Sonst wird das Fahrrad von der Stadt Bochum versteigert.

Darf ich denn auch Geld, das ich gefunden habe, behalten?
Du darfst gefundenes Geld behalten, wenn es 10 € nicht übersteigt, also ein 2-Euro-Stück zum Beispiel oder einen 5-Euro-Schein oder 20 Cent.  Ob du es behältst, ist allerdings eine Frage deines Gewissens – du weißt doch, was das ist? Jedenfalls machst du dich nicht strafbar.

Und was wäre, wenn ich einen 50-Euro-Schein oder ein Fahrrad finde und es niemandem sage und einfach behalte?
In dem Fall machst du dich strafbar. Das nennt man dann „Fundunterschlagung“. Solange du noch keine 14 Jahre alt bist, kommst du dafür zwar nicht ins Gefängnis, aber deine Eltern können ganz schön Ärger bekommen, weil sie für dich und deine Taten verantwortlich sind.

Wieviel Finderlohn bekomme ich denn, wenn ich Geld finde? Zum Beispiel 1000 Euro?
Dafür gibt es eine ganz einfache Rechnung:
Bis zu einem Wert von 500 € bekommst du 5% davon, in diesem Fall also 25 €. Von der Restsumme, die über diesen 500 € liegt, bekommst du noch einmal 3 %, in diesem Fall also 15 €, macht zusammen also 40 €.

(Hier können dir vielleicht deine Eltern oder dein/e Mathelehrer/in helfen, wenn du das nicht so ganz verstehst.)

Und wenn ich zum Beispiel einen Schlüssel finde oder eine Kette?
Wenn die Fundsache nur für den Besitzer einen Wert hat, so kann dieser selbst entscheiden, wie hoch der Finderlohn für dich ausfallen soll.

Genaue Angaben zu den oben genannten Punkten könnt ihr auch im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) nachschlagen → § 365 – § 984 oder ihr guckt mal ins Internet.